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Arbeitszeugnis prüfen lassen: Darum lohnt sich der Check durch Experten

Rechtsanwalt Raffael Sauer

geprüft von Raffael Sauer
Rechtsanwalt für Verbraucher- und Arbeitsrecht

13. Mai 2022 um 09:32

Das Arbeitszeugnis ist eines der wichtigsten Dokumente in den Bewerbungsunterlagen und entscheidend für den weiteren Karriereweg. Damit Bewerbern keine Karrierechance entgeht, müssen ihre Ex-Arbeitgeber ihnen ein vollständiges und wohlwollendes Arbeitszeugnis ausstellen. Negative Formulierungen und fragwürdige Aussagen sind für Laien jedoch nur schwer erkennbar. Deshalb sollten Beschäftigte ihr Arbeitszeugnis prüfen lassen. Alle Fakten dazu fasst dieser Artikel zusammen.

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Mann sitzt vor Laptop und prüft Arbeitszeugnis.
Das Wichtigste in Kürze
  • Angestellte haben einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Grundlage dafür ist § 109 der Gewerbeordnung sowie § 630 des BGB.
  • Generell muss das Arbeitszeugnis vollständig, wohlwollend und klar formuliert sein.
  • Ist das nicht der Fall oder vermuten Beschäftigte fehlende oder falsche Inhalte, sollten sie das Dokument von Experten prüfen lassen, um Nachteile bei der Jobsuche zu vermeiden.
  • Eine Ersteinschätzung dazu erhalten Arbeitnehmende über einen kostenlosen Online-Check.

Diese Inhalte sollten Sie in Ihrem Arbeitszeugnis überprüfen

Bei der Auswahl passender Kandidatinnen oder Kandidaten für eine Stelle achten Arbeitgeber nicht nur auf deren Selbsteinschätzung. Es zählt auch, wie zufrieden frühere Arbeitgeber waren und welche Arbeitszeugnis-Noten sie verteilt haben.

Bei der Ausstellung müssen Unternehmen sich an einige Regeln halten. Ein Arbeitszeugnis muss

  • vollständig,
  • wohlwollend und
  • klar formuliert sein.

Um sicherzugehen, dass ihr Arbeitszeugnis diese Anforderungen erfüllt, sollten Angestellte es gründlich unter die Lupe nehmen. Anhaltspunkte für einen ersten Arbeitszeugnis-Check liefern die folgenden Abschnitte. Bestehen Unsicherheiten, sollten Beschäftigte jedoch immer die Expertise von spezialisierten Anwältinnen oder Anwälten nutzen und ihr Arbeitszeugnis checken lassen.

Anforderungen an ein vollständiges Arbeitszeugnis: Inhalt und Aufbau

Wer sein Arbeitszeugnis überprüfen möchte, muss zunächst wissen, wie das Schriftstück üblicherweise aufgebaut ist. Es gibt das einfache Arbeitszeugnis, das lediglich über Tätigkeitsart und -zeitraum informiert, sowie das qualifizierte, das darüber hinaus Auskunft zu Themen wie Arbeitsweise und soziale Kompetenzen gibt. Ein qualifiziertes Zeugnis enthält typischerweise:

  • Personalien des Angestellten
  • Eintritts- und Austrittstermin
  • Angaben zum Unternehmen
  • Tätigkeitsbeschreibung
  • Aufgaben, Verantwortung, Kompetenzen und bisheriger Werdegang im Unternehmen
  • Leistungsbeurteilung (Arbeitsbereitschaft, Arbeitsbefähigung, Arbeitsweise und Arbeitserfolg)
  • Austrittsgrund
  • Schlussformel mit Danksagung
  • Unterschrift und Datum

Ob Fakten wie Personalien, Dauer der Beschäftigung und Beschreibung der Tätigkeiten korrekt sind, wissen Angestellte selbst am besten. Bei den Ausführungen zu den erbrachten Leistungen gibt es dagegen einige Fallstricke, da Arbeitgeber hier häufig auf Floskeln zurückgreifen.

Zeugniscode entschlüsseln: Diese Formulierungen sollten Sie in Ihrem Arbeitszeugnis überprüfen

Zwar müssen Arbeitszeugnisse in Deutschland wohlwollend sein. Doch oft enthalten sie Formulierungen, die nur auf den ersten Blick positiv erscheinen. Kritische Aussagen sind für Angestellte allerdings oft nicht ohne weiteres erkennbar.

Der Grund dafür: Statt Zeugnisnoten zu vergeben, verwenden Arbeitgeber für ihre Beurteilung eine eigene Zeugnissprache, eine Art Geheimcode. Wer die Codes der Zeugnissprache kennt, kann mit diesem Wissen das Arbeitszeugnis prüfen und schnell als gutes oder schlechtes Zeugnis entlarven.

Leistungsbeschreibung: Welche Formulierung steht für welche Note?

Auch wenn ein Arbeitszeugnis sehr gut erscheint – „zufrieden“ ist nicht gleich zufrieden. Bestimmte Formulierungen bei der Leistungsbewertung geben einen Hinweis auf die Benotung durch den Arbeitgeber:

Formulierungen Arbeitszeugnis
Noten

stets zur vollsten Zufriedenheit

Noten

1 – sehr gut

stets zur vollen Zufriedenheit

Noten

2 – gut

zur vollen Zufriedenheit

Noten

3 – befriedigend

zur Zufriedenheit

Noten

4 – ausreichend

in der Regel zur Zufriedenheit

Noten

5 – mangelhaft

hat sich bemüht

Noten

6 – ungenügend

Achtung bei Aussagen zum Sozialverhalten

Nicht nur die Leistungsbeschreibung kann versteckte Kritik enthalten, sondern auch die Formulierungen zum Sozialverhalten. Der Satz „Mit seiner Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei“ lobt nicht etwa das Sozialverhalten von Mitarbeitenden, sondern kann Hinweise auf Trinkgewohnheiten geben.

Schlussformulierungen im Arbeitszeugnis genau prüfen

Eine Gesamtnote lässt sich auch an der Arbeitszeugnis-Schlussformel ablesen. Üblicherweise enthält diese Formulierung einen Dank des Arbeitgebers für die Arbeit, das Bedauern über das Ausscheiden des Arbeitnehmenden und beste Wünsche für die weitere berufliche Zukunft.

Fällt diese Formulierung sehr knapp aus oder fehlt komplett, ist das ein Hinweis auf ein schlechtes Arbeitszeugnis. Ob Arbeitszeugnis-Formulierungen tatsächlich sehr gut oder doch nur mittelmäßig sind, kann ein Experte in kurzer Zeit bewerten.

Was darf nicht in einem Arbeitszeugnis stehen?

Angestellte sollten nicht nur den Zeugniscode entschlüsseln, sondern auch darauf achten, dass ihr Zeugnis wahre und keine widersprüchlichen Aussagen enthält, nicht übertrieben klingt und möglichst individuell formuliert ist. Darüber hinaus können Arbeitszeugnisse Informationen enthalten, die dort nichts zu suchen haben.
Das sind zum Beispiel:

  • Spott und Ironie
  • versteckte Hinweise wie „Gerne stehen wir jedem zukünftigen Arbeitgeber hinsichtlich Nachfragen über die Qualität der für uns geleisteten Arbeiten zur Verfügung.“
  • intime Angaben zu Religion oder sexueller Orientierung
  • Diskriminierungen
  • Selbstverständlichkeiten wie die Word-Kenntnisse von Bürokräften
  • Angaben zur Mitgliedschaft in Gewerkschaften, Parteien oder dem Betriebsrat
Frau sitzt vor Laptop und hält Arbeitszeugnis in der Hand.

Was können Angestellte bei Fehlern oder fehlenden Inhalten tun?

Oft lassen Beschäftigte sich ein Zwischenzeugnis oder ein qualifiziertes Arbeitszeugnis ausstellen und stellen dann fest, dass die Bewertung des Arbeitgebers von ihrer Einschätzung abweicht. Oder es fehlen wichtige Punkte im Zeugnis.

Bei fehlenden, falschen oder unvollständigen Inhalten oder einer Bewertung, die schlechter als „befriedigend“ ist, können Angestellte ihr Arbeitszeugnis prüfen lassen. Gemeinsam mit Profis können sie dann ein neues Zeugnis verlangen und ihrem Arbeitgeber dafür eine Frist setzen.

Bringt selbst ein Gespräch mit dem Arbeitgeber kein zufriedenstellendes Ergebnis und ist die Frist verstrichen, sollten sich Beschäftigte spätestens jetzt Unterstützung von einem Experten holen und dann auch das neue Arbeits- oder Zwischenzeugnis prüfen lassen. Schließlich hängt von einem wohlwollenden Arbeitszeugnis oft die berufliche Zukunft ab.

Arbeitszeugnis online prüfen lassen

Viele Feinheiten fallen Angestellten oft gar nicht auf, machen allerdings zukünftige Arbeitgeber umso misstrauischer. Beschäftigte sollten deshalb auf Nummer sicher gehen und ihr Zeugnis prüfen lassen. Denn Arbeitsrechts-Profis wissen genau, welche Formulierungen der beruflichen Laufbahn schaden könnten. Diesen Schritt können Angestellte bequem online gehen.

Arbeitszeugnis prüfen lassenArrow icon

Online das Arbeitszeugnis prüfen lassen: Kosten und Ablauf

Über den kostenlosen Arbeitszeugnis-Check von SIEGFRIED können Angestellte mit wenigen Klicks ihr Arbeitszeugnis überprüfen lassen und erhalten innerhalb weniger Minuten eine Ersteinschätzung zum Zeugnis. Im Anschluss erfahren sie von unseren kompetenten Partnerkanzleien, welche Änderungen notwendig sind.

Nicht immer sind Arbeitgeber bereit dazu – in diesem Fall haben Sie die notwendige Unterstützung zur Anfechtung des Arbeitszeugnisses bereits an der Hand. Für Beschäftigte ist die Ersteinschätzung zu ihrem Anliegen kostenlos und spart viel Zeit und Nerven. Denn sie erhalten eine schnelle Soforthilfe, und das einfach und bequem von zu Hause aus.

Fazit: Arbeitszeugnis prüfen lassen und beruflich weiterentwickeln

Über 66 Prozent der Deutschen wechseln ihren Job bis zu fünfmal im Leben. Sie erhalten also bis zu fünf Arbeitszeugnisse, bei denen jedes einzelne Wort über den weiteren Verlauf der Karriere entscheiden kann.

Jetzt Arbeitszeugnis prüfen lassen und das Beste für Ihre berufliche Zukunft herausholen.

Angestellte sollten immer auf ein Arbeitszeugnis bestehen und den Inhalt und die Formulierungen zunächst selbst prüfen. Bestehen Zweifel daran, dass das Zeugnis sie bei potenziellen Arbeitgebern in ein gutes Licht rückt, müssen sie das nicht akzeptieren. Ihnen steht mindestens ein befriedigendes Arbeitszeugnis zu, wobei die meisten Zeugnisse sogar gut oder sehr gut ausfallen.

Lassen Sie Ihr Arbeitszeugnis prüfen und sich über Ihre Möglichkeiten beraten. Mit professioneller Unterstützung sparen Sie Zeit und Nerven – denn Sie müssen sich nicht allein mit Ihrem Noch- oder Ex-Arbeitgeber auseinandersetzen.

Niemand muss ein schlechtes Arbeitszeugnis akzeptieren. Nutzen Sie deshalb Ihr Recht auf ein vollständiges und wohlwollendes Zeugnis, wenn Sie beruflich hoch hinauswollen.

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Rechtsanwalt Raffael Sauer

Juristische Prüfung durch Rechtsanwalt Raffael Sauer
Dieser Beitrag wurde mit großer Sorgfalt von der SIEGFRIED-Redaktion erstellt und von Raffael Sauer juristisch geprüft. Sauer ist Rechtsanwalt bei der ProRights Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Das Arbeitsrecht gehört dabei zu seinen Fachgebieten, in denen er Mandanten erfolgreich vertritt.

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