SIEGFRIED logo
ClubKonto
SIEGFRIED logo
SuchenGenerated with Avocode.zoomGroup 65Group 64Path 21Group 67Group 66Path 22
Home
Drogenhandel Strafe

Drogenhandel: Diese Strafen drohen

2. November 2022 um 11:05

Laut der polizeilichen Kriminalstatistik wurden im Jahr 2021 über 11.100 Fälle des unerlaubten Drogenhandels mit nicht geringer Menge registriert. Insbesondere bei Jugendlichen stellt der Drogenhandel eine zusätzliche Einnahmequelle dar. Aber auch wer seinen Bekannten zu Betäubungsmitteln in geringer Menge und ohne Gewinnabsichten verhilft, betreibt Drogenhandel. Die Strafen dafür hängen von der Art des Drogenhandels und der Menge der gehandelten Drogen ab. Dennoch ist eines sicher: Sie fallen meist höher aus als allgemein angenommen. Dieser Artikel erklärt, welche Arten des Drogenhandels unterschieden werden und wie hoch die Strafen sind, mit denen Beschuldigte rechnen müssen.

Artikel teilen
Mann wird bei Drogenhandel erwischt und in Handschellen abgeführt.
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Strafen für Drogenhandel hängen gemäß § 29 BtMG ff. von der Art des Drogenhandels ab.
  • Das Gesetz unterscheidet zwischen einfachem, gewerbsmäßigem, bandenmäßigem und bewaffnetem Drogenhandel.
  • Die Strafen für Drogenhandel mit geringer Menge fallen nicht pauschal geringer aus.
  • Junge Täter (bis zum 21. Lebensjahr) können gemäß Jugendstrafrecht mit milderen Strafen rechnen. Der Erziehungsaspekt steht hier im Vordergrund.
  • Welche Möglichkeiten Sie bei drohenden Strafen für Drogenhandel haben, erfahren Sie im Strafrechts-Check von SIEGFRIED.

Was gilt als strafbarer Drogenhandel?

Der illegale Kauf und Verkauf von Betäubungsmitteln ist gemäß § 29 Betäubungsmittelgesetz (BtMG) ff. strafbar und wird mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet. Betäubungsmittel wie Haschisch, Heroin, Methamphetamin („Crystal Meth“), Kokain, LSD, Amphetamine und Ecstasy (MDMA) werden im alltäglichen Sprachgebrauch meist als Drogen oder Rauschmittel bezeichnet. Die Anlagen I bis III des BtMG erläutern genauer, welche Drogen weder gekauft noch verkauft werden dürfen. Das Gesetz ahndet jedoch nicht nur den Kauf oder Verkauf dieser Betäubungsmittel. Jegliche Maßnahmen zur Förderung des Drogenhandels führen zu einer Strafe. Konkret werden folgende Drogendelikte geahndet:

  • Kauf oder anderweitiger Erwerb von Betäubungsmitteln
  • Besitz von Betäubungsmitteln
  • Handel und Verkauf von Betäubungsmitteln
  • Import und Export von Betäubungsmitteln
  • Anbau und Herstellung von Betäubungsmitteln

Strafen bei Drogenhandel: Diese Arten des Drogenhandels gibt es

Die Strafen bei Drogenhandel hängen von der Art des Drogenhandels und der Menge, mit der gehandelt wird, ab. Strafen für einfachen Drogenhandel fallen dabei geringer aus als jene, die der Gesetzgeber für gewerbsmäßigen oder bandenmäßigen Drogenhandel vorsieht. Aber inwiefern unterscheiden sich die einzelnen Arten des Drogenhandels und wie gehen Sie entsprechend vor bei einer Beschuldigung? Aufschluss darüber gibt der kostenlose Online-Check.

Zum Online-Check

Einfacher Drogenhandel

Gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG betreibt jede Person Drogenhandel, die Betäubungsmittel

  • einführt,
  • ausführt,
  • veräußert,
  • abgibt,
  • erwirbt,
  • in den Verkehr bringt
  • oder mit ihnen handelt.

Zum einfachen Drogenhandel zählt nicht nur das Drogendealen. Wer beim Transport der Drogen, als Drogenkurier oder beim Geldeintreiben nach der Übergabe der Drogen behilflich ist, macht sich ebenfalls wegen einfachem Drogenhandel strafbar. „Einfach“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es sich weder um gewerbsmäßigen, noch um bandenmäßigen oder bewaffneten Drogenhandel handelt.

Gewerbsmäßiger Drogenhandel

Wer sich gemäß § 29 Abs. 3 Nr. 1 BtMG durch Drogenverkauf ein regelmäßiges Einkommen sichert, betreibt gewerbsmäßigen Drogenhandel. Hierbei muss der Drogenhandel jedoch nicht die Haupteinnahmequelle darstellen. Laut Bundesgerichtshof (BGH) reicht es aus, wenn der Drogendealer Beschuldigte sich eine

  • fortlaufende Einnahmequelle
  • von längerer Dauer
  • und gewissem Umfang
  • durch wiederholten Drogenverkauf
Drogendealer übergibt Drogen und erhält im Gegenzug Geld.

verschaffen will. Der Beschuldigte muss nicht jahrelang tätig sein. Die reine Intention, sich durch den Drogenhandel eine Einnahmequelle – auch als Nebenerwerb – zu verschaffen, genügt, um gesetzlich geahndet zu werden. Die Strafe hierfür fällt wesentlich höher aus im Vergleich zu einfachem Drogenhandel.

Bandenmäßiger Drogenhandel

Wer als Mitglied einer Bande Drogen erwirbt und verkauft, betreibt laut § 30 Abs. 1 BtMG bandenmäßigen Drogenhandel. Die Strafe für Drogenhandel als Teil einer Bande fällt ebenfalls wesentlich höher aus als für einfachen Drogenhandel. Als Bande bezeichnet das Gesetz eine Gruppierung von mindestens drei Personen, die sich treffen, um gemeinsam Straftaten wie Drogenhandel zu begehen. Für die Strafe ist es nicht relevant, ob einzelne Mitglieder der Bande Hilfstätigkeiten nachkommen oder als Drogendealer fungieren.

Bewaffneter Drogenhandel

Wer mit Betäubungsmitteln handelt und währenddessen eine Waffe bei sich trägt, wird gemäß § 30a Abs. 2 BtMG wegen bewaffnetem Drogenhandel geahndet. Zu Waffen zählen in diesem Fall folgende Objekte:

  • Schusswaffen (z. B. Gas- oder Luftdruckpistolen)
  • Elektroschocker
  • Sonstige Gegenstände (z. B. scharfe Messer)

Zudem ist es kein Kriterium, ob der Beschuldigte die Waffe während des Drogenhandels einsetzt. Es genügt, wenn die Waffe in Reichweite ist und er sie dadurch jederzeit einsetzen könnte. Befinden sich bei einem Drogenverkauf beispielsweise Waffe und Drogen in den gleichen Räumlichkeiten, verweist die Rechtsprechung bereits auf bewaffneten Drogenhandel. Relevant ist diesbezüglich vor allem die Zugriffsnähe. 

Gut zu wissen

Das Vorbereiten, Abwiegen oder Verpacken von Drogen in Räumlichkeiten, in denen sich eine Waffe befindet, fällt ebenfalls unter bewaffneten Drogenhandel.

Diese Strafen drohen nach Drogenhandel

Die Strafen für Drogenhandel hängen vor allem von der Art des Drogenhandels ab. Je nach Menge an Drogen, mit denen gehandelt wird, fällt die Strafe für Drogenhandel höher oder niedriger aus. Wichtig ist, dass es sich hier um die Menge des Wirkstoffes und nicht die Gesamtmenge bzw. das Gesamtgewicht der Droge handelt. Bei Drogenhandel mit nicht geringen Mengen ist eine Geldstrafe ausgeschlossen.

Art des Drogenhandels
Menge
Strafe

Einfacher Drogenhandel

Menge

Geringe Menge

Strafe

Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu 5 Jahren

Einfacher Drogenhandel

Menge

Nicht geringe Menge

Strafe

Freiheitsstrafe von mindestens 1 Jahr

Gewerbsmäßiger Drogenhandel

Menge

Geringe Menge

Strafe

Freiheitsstrafe von mindestens 1 Jahr

Gewerbsmäßiger Drogenhandel

Menge

Nicht geringe Menge

Strafe

Freiheitsstrafe von mindestens 1 Jahr

Bandenmäßiger Drogenhandel

Menge

Geringe Menge

Strafe

Freiheitsstrafe von mindestens 2 Jahren 

Bandenmäßiger Drogenhandel

Menge

Nicht geringe Menge

Strafe

Freiheitsstrafe von mindestens 5 Jahren 

Bewaffneter Drogenhandel

Menge

Nicht geringe Menge

Strafe

Freiheitsstrafe von mindestens 5 Jahren

Eine Bewährungsstrafe ist grundsätzlich nur bei einer Freiheitsstrafe wegen Drogenhandels von bis zu zwei Jahren möglich. In allen anderen Fällen müssen Beschuldigte mit einer Gefängnisstrafe rechnen. 

Des Drogenhandels beschuldigt? Jetzt Möglichkeiten prüfen lassen!

Drogenhandel mit geringer Menge: Mildert das die Strafe?

Die Strafhöhe bei Drogenhandel ist abhängig von der Drogenmenge, mit der gehandelt wurde, und der Art des Handels. Das Gesetz unterscheidet hier zwischen „geringer Menge“ und „nicht geringer Menge“. Zudem ist auch der Tathergang für die Strafe ausschlaggebend. Insbesondere bei minder schweren Fällen tendiert das Gericht mitunter zu einer weniger schwerwiegenden Strafe. Verfahren wegen Drogenhandel mit geringer Menge können laut § 31a BtMG auch eingestellt werden. Dennoch sprechen Experten nicht pauschal von einer milderen Strafe, wenn es sich lediglich um geringe Mengen an Drogen handelt.

Gut zu wissen

Drogenhandel ist immer strafbar. Ob es sich dabei um geringe oder nicht geringe Mengen an Betäubungsmittel handelt, ist nicht relevant. Bei Drogenbesitz in kleinen Mengen hingegen, kann es vorkommen, dass das Verfahren eingestellt wird. Eine Garantie hierfür gibt es allerdings nicht.

Drogenhandel im Jugendstrafrecht: Mit diesen Strafen müssen Jugendliche rechnen

Statistisch gesehen wird Drogenhandel besonders oft von Jugendlichen verübt. Doch Jugend schützt vor Strafe nicht. Dennoch fallen die Strafen für Drogenhandel bei Jugendlich geringer aus als bei erwachsenen Drogendealern. Grundsätzlich gilt für Jugendliche folgendes Strafrecht:

Alter
Strafrecht

Unter 14 Jahren

Strafrecht

Nicht strafmündig gemäß § 19 Strafgesetzbuch (StGB)

Zwischen 14 und 17 Jahren

Strafrecht

Jugendstrafrecht

Zwischen 18 und 20 Jahren

Strafrecht

Verurteilt nach Jugendstrafrecht, wenn ihre Reife der eines Jugendlichen gleicht, ansonsten droht das Erwachsenenstrafrecht

Die Strafen für Jugendliche und Heranwachsende bis zum 21. Lebensjahr, deren Entwicklungsgrad eher, dem eines Jugendlichen, als dem eines Erwachsenen gleicht, fallen in der Regel geringer aus. Gemäß dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) orientieren sie sich eher an der Erziehung der Jugendlichen als an ihrer Bestrafung. So drohen Jugendlichen beispielsweise folgende „Strafen“ bei Drogenhandel:

  • Verwarnung
  • Soziale Trainingskurse
  • Gemeinnützige Arbeit
  • Jugendarrest (maximal 4 Wochen Freiheitsentzug)
  • (Geringere) Freiheitsstrafe bei Wiederholungstätern

Drogenhandel begangen? Das Strafverfahren im Detail

Besteht der Verdacht auf Verstoß gegen das BtMG, leitet die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen die beschuldigte Person ein. Je nach Art des Drogenhandels und der Menge an vorgefundenen Betäubungsmitteln drohen eine Geld- oder Freiheitsstrafe. Die betroffene Person erhält dann von der örtlichen Post eine Einladung zu einer Beschuldigtenvernehmung, bei der sie über den Sachverhalt aufgeklärt wird und sich verteidigen kann. Experten raten hier, einen Anwalt zu kontaktieren und sich professionell vertreten zu lassen.

Der Strafverteidiger kann Akteneinsicht nehmen und basierend auf dem Tatbestand eine Verteidigung der beschuldigten Person vorbereiten. Hier empfiehlt sich der Strafrechts-Check von SIEGFRIED.

Polizei findet Drogen in Rucksack bei Kontrolle.

Anschließend gibt es zwei Möglichkeiten zur Beendigung des Ermittlungsverfahrens: Einstellung oder Anklage. Kommt die Staatsanwaltschaft zu dem Entschluss, dass ein Freispruch wahrscheinlicher als eine Anklage ist, wird das Verfahren gemäß § 170 Abs. 2 Strafprozessordnung (StPO) eingestellt. Ansonsten muss die beschuldigte Person mit einer Anklage und folglich einem Gerichtsverfahren mit möglicher Strafe rechnen.

Fazit: Die Strafen für Drogenhandel hängen vom Einzelfall ab

Unter den Begriff „Drogenhandel“ fällt viel mehr als nur der reine Kauf und Verkauf von Betäubungsmitteln. Auch der Transport, der Besitz oder die Herstellung von Rauschmitteln ist strafbar. Wer beim Handel mit Drogen erwischt wird, muss mit einer Strafe gemäß dem BtMG rechnen. Die Art und Höhe der Strafe hängen von der Art des Drogenhandels ab. Dabei wird zwischen einfachem, gewerbsmäßigem, bandenmäßigem und bewaffnetem Drogenhandel unterschieden. Zudem fallen die Strafen für Minderjährige meist geringer aus. Grundsätzlich müssen Drogendealer dennoch mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von mehreren Monaten bis zu einigen Jahren rechnen.

Über den Online-Check von SIEGFRIED erhalten Sie schnell eine Einschätzung Ihrer Möglichkeiten bei einer drohenden Strafe für Drogenhandel.

Artikel teilen

Beliebteste Artikel

Formular für das Ergebnis eines Drogentests.
Drogentest durch die Polizei: Ihre Rechte und Pflichten
Im Rahmen einer Verkehrskontrolle kann es vorkommen, dass die Polizei einen Drogentest anordnet. Abe…
Mann im Auto greift zu Drogen.
Fahren unter Drogeneinfluss: Mit diesen Strafen müssen Sie rechnen
Die Zahl der Verkehrsunfälle nimmt ab – allerdings steigt der Anteil der Unfälle, , bei denen Drogen…
Mann gegen den Haftbefehl erlassen wurde, wird in Handschellen abgeführt.
Haftbefehl: Wann kommt die Polizei und was müssen Betroffene tun?
Gerät eine Person in Folge einer Straftat in das Visier der Ermittlungen und ist die Beweislage erdr…
Hände nehmen einer anderen Person Handy aus Jackentasche.
Anzeige wegen Diebstahl - Was tun?
Egal ob Fahrraddiebstahl, Taschendiebstahl oder der Wohnungseinbruchsdiebstahl - der Diebstahl gehör…
Internetbetrug: Mann hält ein Smartphone und eine Kreditkarte in seinen Händen.
Internetbetrug anzeigen: Was Betroffene und Beschuldigte wissen müssen
Das Internet erleichtert den Alltag, bringt das Wissen der Welt auf den Bildschirm der Nutzer und hi…

Top Themen

Arrow iconAbgasskandal: Zusammenfassung und Ausblick auf 2022

Beliebte Artikel

Dieselfahrzeuge im Stau.
Abgasskandal: Zusammenfassung und Ausblick auf 2022
Seit 2015 beschäftigt der Abgasskandal Verbraucher und Gerichte. Viele Hersteller sind in den Skanda…
Abreitsvertrag auf Tisch zur Prüfung.
Arbeitsvertrag prüfen lassen: So gehen Beschäftigte auf Nummer sicher
Der Arbeitsvertrag bildet die Basis für eine gute Zusammenarbeit: Darin sind die Rechte und Pflichte…
Bußgeldbescheid und Geldscheine liegen auf Tisch.
Bußgeld im Straßenverkehr: So legen Sie Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid ein
Wer einen Bußgeldbescheid erhält, dem drohen Bußgelder, Punkte in Flensburg oder ein Fahrverbot. Doc…
Eine Person unterschreibt einen Autokredit-Vertrag.
Autokredit Widerruf: So holen Verbraucher ihr Geld zurück
Viele Autofahrer setzen auf einen Autokredit und ärgern sich nach kurzer Zeit über schlechte Konditi…
Krankenversichertenkarte und Geldscheine.
PKV-Beitragserhöhung 2022: Was Versicherte gegen steigende Beiträge tun können
Wer zum Jahresende einen Brief von der privaten Krankenversicherung erhält, muss sich auf steigende…
Zwei Personen unterschreiben Scheidungspapiere.
Test Julia Workshop
Auch wenn der Schritt schwer fällt, entscheidet sich jedes dritte Ehepaar früher oder später für die…
Eine Marke der SIEGFRIED.DE GmbH