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Drogentest durch Polizei

Drogentest durch die Polizei: Ihre Rechte und Pflichten

25. Oktober 2022 um 12:15

Im Rahmen einer Verkehrskontrolle kann es vorkommen, dass die Polizei einen Drogentest anordnet. Aber ist man als Verkehrsteilnehmer verpflichtet, diesem zuzustimmen? Und wie verhält man sich richtig, wenn bei einer Polizeikontrolle ein Drogentest gemacht werden soll? Hier gibt es die Antworten auf diese Fragen und Infos zu den gängigsten Drogentests.

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Formular für das Ergebnis eines Drogentests.
Das Wichtigste in Kürze
  • Einem Drogenschnelltest durch die Polizei muss nicht zugestimmt werden.
  • Bei einem begründeten Verdacht darf die Polizei einen Labortest anordnen – dieser darf nicht verweigert werden. 
  • Vor Gericht hat nur ein Labortest Bestand, wobei es sich meistens um einen Bluttest handelt. 
  • Hilfe nach einem Drogentest gibt es über den Strafrechts-Check von SIEGFRIED.

Drogentest: Was darf die Polizei verlangen?

In Deutschland ist es verboten, unter Drogeneinfluss am Straßenverkehr teilzunehmen. Das entsprechende Verbot findet sich in § 24a Abs. 2 Straßenverkehrsgesetz (StVG). Während es bei Alkohol die 0,5 Promille-Grenze gibt, sind andere Drogen am Steuer komplett verboten. 

Wenn die Polizei im Rahmen einer Verkehrskontrolle den Verdacht hat, dass ein Verkehrsteilnehmer Drogen konsumiert hat, darf sie nach der Teilnahme an einem Drogenschnelltest fragen. Jedoch muss niemand seine Einwilligung dazu erteilen. Das Gleiche gilt auch für einen Alkoholtest: Betroffene haben nicht die Pflicht, zu “pusten.”

Damit ist die Angelegenheit aber in den meisten Fällen nicht erledigt. Denn wenn die Polizei einen begründeten Verdacht hat, kann sie einen Bluttest anordnen, dem der Betroffene dann Folge leisten muss. Ein begründeter Verdacht kann sich zum Beispiel ergeben, wenn es im Fahrzeug stark nach Alkohol riecht oder das Verhalten des Fahrers auf Drogenkonsum hindeutet. Ein Bluttest darf außerdem stattfinden, wenn ein Richter oder ein Staatsanwalt diesen anordnet. 

Unabhängig davon, ob die Polizei einen Drogentest durchführen will oder nicht: Betroffene sind nicht verpflichtet, die Fragen der Polizei zu beantworten. Weder Fragen wie “Woher kommen Sie?” noch “Haben Sie Drogen genommen/Alkohol getrunken?” müssen beantwortet werden. Welche Fragen sind zulässig? Antworten liefert der unkomplizierte Online-Check von SIEGFRIED.

Zum Strafrechts-Check

Polizei ordnet Drogentest an: Diese Arten gibt es

Im Rahmen einer Verkehrskontrolle wird durch die Polizei, sofern die Erlaubnis erteilt wird, ein Drogenschnelltest durchgeführt. Dabei stellt sich die Frage: Welchen Drogentest benutzt die Polizei? Meistens handelt es sich um einen Teststreifen, mit dem Körperflüssigkeiten wie Schweiß oder Speichel überprüft werden. Bei einem späteren Test im Labor können Blut oder Urin getestet werden.

Drogentest mit Haar

Neben Drogentests, die mit Körperflüssigkeiten funktionieren, gibt es auch die Möglichkeit, Haare auf derartige Spuren zu testen. Durch eine Haaranalyse lassen sich Drogen über einen langen Zeitraum nachweisen, daher ist sie für Langzeitproben geeignet – zum Beispiel im Rahmen einer Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung (MPU). So kann ermittelt werden, wie lange Betroffene bereits “drogenfrei” sind und ob sie beispielsweise ihre Fahrerlaubnis zurückbekommen.

Gut zu wissen:

Als Richtwert für den Nachweis der Drogen gilt dabei die Haarlänge. Das heißt, mit einer ein Zentimeter langen Haarprobe lassen sich Drogen über einen Zeitraum von einem Monat nachweisen – entsprechend mit drei Zentimetern drei Monate. Im Rahmen einer Verkehrskontrolle wird so gut wie nie ein Drogentest mit Haaren durchgeführt. 

Drogentest mit Schweiß

Ein Drogenschnelltest wird oftmals mit Schweiß durchgeführt. Dabei wird mit einem Teststreifen Schweiß beim Betroffenen entnommen. Je nachdem, wie sich danach der Streifen verfärbt, können bestimmte Stoffe wie THC nachgewiesen werden. Beim Schweißtest handelt es sich um einen sogenannten Drogenwischtest. 

Ein Schweißtest kann zwar schnell und an jedem Ort durchgeführt werden, allerdings ist er im Vergleich zu einem Blut- oder Urintest ziemlich ungenau. Deshalb dürfen die Erkenntnisse, die die Polizei daraus zieht, nur einen Anfangsverdacht bestätigen – vor Gericht reichen sie allerdings nicht als Beweis aus.

Drogentest mit Speichel

Ein weiterer Drogenschnelltest, der oft während einer Verkehrskontrolle eingesetzt wird, ist der Speicheltest. Dabei wird dem Betroffenen mit einem Wattestäbchen oder einem Teststreifen Speichel aus dem Mund entnommen, der dann analysiert wird. Durch einen Speicheltest können viele Substanzen nachgewiesen werden, zum Beispiel Amphetamine, Kokain, Opiate oder THC. Wie lange diese nachgewiesen werden können, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt auch von der Menge ab, die konsumiert wurde. Auch der Speicheltest darf nur Anhaltspunkte für einen Drogenkonsum geben, vor Gericht sind die Ergebnisse nur eingeschränkt verwertbar.

Drogentest mit Urin

Auch der Urintest wird bei Verkehrskontrollen von der Polizei genutzt, weil er schnelle Ergebnisse liefert. Er erfolgt mittels eines Teststreifens. Viele Drogen werden über die Niere abgebaut, sodass sie lange im Urin nachgewiesen werden können. Wie lange genau, hängt auch hier von den konsumierten Mengen und der Art der Drogen ab. Cannabis kann bei einmaligem Konsum zum Beispiel zwei bis drei Tage im Urin nachgewiesen werden, bei regelmäßigem Konsum sechs bis acht Wochen. 

Fällt der Urintest positiv aus, muss das Ergebnis mit einem Labortest bestätigt werden, damit es vor Gericht Beweiskraft hat. Auch im Labor kann ein Urintest erfolgen, dann jedoch mit einer Urinprobe, die gezielt auf entsprechende Stoffe untersucht wird. 

Teststreifen von Drogentest wird ausgewertet.

Drogentest mit Blut

Der Drogentest mit Blut wird meistens durchgeführt, um einen Anfangsverdacht durch die Polizei zu bestätigen. Ordnet die Polizei einen Bluttest an, darf dieser nicht verweigert werden. Ein Drogentest mit Blut darf aber nur von einem Arzt auf der Polizeidienststelle oder in einem Krankenhaus durchgeführt werden. Er läuft meistens so ab:

  1. Die Polizei bringt den Betroffenen in ein Krankenhaus, zu einem niedergelassenen Arzt oder auf die Polizeidienststelle. 
  2. Aus der Armvene wird dem Betroffenen dann durch einen Arzt das Blut abgenommen. 
  3. Die Probe wird gekennzeichnet und im Labor analysiert. 
  4. Leisten Betroffene Widerstand beim Bluttest, dürfen die Polizisten sie festhalten und notfalls auch fixieren oder fesseln.

Für die Analyse einer Blutprobe gibt es verschiedene Methoden, durch die bestimmte Substanzen nachgewiesen werden können. Wie lange diese im Blut nachweisbar sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel dem Zeitraum des Drogenkonsums und wie viel Zeit seit der letzten Einnahme vergangen ist. Beispielsweise kann THC bei regelmäßigem Konsum 30 Tage lang nachgewiesen werden, Ecstasy oder Kokain hingegen nur bis zu 24 Stunden. Der Blut-Drogentest ist der einzige Test, der vor Gericht als Beweismittel zugelassen wird.

Drogentest bei Verkehrskontrolle durch die Polizei

Wer in eine Verkehrskontrolle gerät und einen Drogentest machen soll, sollte diese Punkte beachten:

  • Ruhe bewahren und höflich bleiben.
  • Fahrzeugpapiere, Führerschein und Ausweis vorzeigen.
  • Einem Schnelltest muss nicht zugestimmt werden. Auch den “Pupillentest” darf man verweigern. Allerdings empfiehlt es sich, mit den Polizisten zu kooperieren. Denn eine Verweigerung führt in den meisten Fällen dazu, dass die Polizei den Betroffenen für einen Bluttest mitnimmt. 
  • So wenig wie möglich sagen, nichts unterschreiben. Auf Fragen der Polizei muss nicht geantwortet werden. 
  • Einen Anwalt hinzuziehen, wenn ein Bluttest angeordnet wird – insbesondere wenn noch weitere Vorwürfe wie Drogenbesitz oder -handel im Raum stehen.

Spätestens, wenn auch der Drogentest im Labor positiv ist, sollten Betroffene dringend einen Anwalt kontaktieren und keine Aussagen im Alleingang tätigen. Es gilt: Beschuldigte haben ein Aussageverweigerungsrecht und müssen sich nicht selbst belasten. Lassen Sie Ihre Handlungsmöglichkeiten von Experten prüfen!

Polizei führt Drogenschnelltest bei Autofahrer durch.

Drogentest positiv? Mit diesen Folgen müssen Sie rechnen

Ein positiver Drogentest kann diese Konsequenzen nach sich ziehen: 

  • Führerscheinentzug, Punkte in Flensburg, Fahrverbote und Bußgelder bei Verstößen im Straßenverkehr 
  • Anordnung einer MPU
  • Geld- oder Freiheitsstrafen wegen weiterer Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten, zum Beispiel: Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz oder gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Für das Fahren unter Drogeneinfluss ist mit diesen Strafen zu rechnen:

Tatbestand
Bußgeld
Punkte
Fahrverbot

Verstoß gegen das Verbot von Drogen am Steuer (Ersttat)

Bußgeld

500 EUR

Punkte

2

Fahrverbot

1 Monat

Verstoß gegen das Verbot von Drogen am Steuer (2. Mal)

Bußgeld

1.000 EUR

Punkte

2

Fahrverbot

3 Monate

Verstoß gegen das Verbot von Drogen am Steuer (3. Mal)

Bußgeld

1.500 EUR

Punkte

2

Fahrverbot

3 Monate

Gefährdung des Straßenverkehrs unter Drogeneinfluss

Bußgeld

-

Punkte

3

Fahrverbot

Entziehung der Fahrerlaubnis, Geld- oder Freiheitsstrafe

Wie hoch die Strafe nach einem positiven Drogentest ausfällt, hängt immer davon ab, ob es sich “nur” um ein Vergehen im Straßenverkehr handelt, ob eine andere Person gefährdet oder verletzt wurde und ob weitere Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten hinzukommen – wie beispielsweise der Handel mit Drogen oder Fahrerflucht nach einem Unfall.

Drogentest fälschlicherweise positiv: Diese Rechte haben Sie

Wie erwähnt können Drogenschnelltests falsche Ergebnisse liefern. Nicht nur manche Wirkstoffe wie Ibuprofen in Schmerzmitteln können das Ergebnis verfälschen. Sogar bestimmte Lebensmittel wie Mohn können den Test anschlagen lassen. Deshalb wird das Ergebnis eines Schnelltests in der Regel im Labor durch einen Bluttest überprüft. 

Ist der Schnelltest positiv, darf dieser nur bei Ordnungswidrigkeiten herangezogen werden – vor Gericht ist er nicht verwertbar. Schlägt der Drogenschnelltest an, obwohl der Betroffene weiß, dass er keine Drogen genommen hat, hat er das Recht, einen Labortest zu verlangen. Allgemein haben Betroffene diese Rechte bei einem positiven Drogentest:

  • Aussageverweigerungsrecht (Recht zu Schweigen) 
  • Recht auf einen Anwalt

Betroffene sollten bei allen Vorwürfen im Zusammenhang mit Drogen sofort einen Anwalt hinzuziehen und sich zum weiteren Vorgehen beraten lassen.

Fazit: Bei Drogentests durch die Polizei besser schweigen

Verkehrsteilnehmer, die bei einer Polizeikontrolle einen Drogentest machen sollen, haben das Recht, diesen zu verweigern und zu schweigen. Es ist ratsam, höflich gegenüber der Polizei zu sein, jedoch keine weiteren Aussagen zu tätigen. So schnell wie möglich sollte ein Anwalt kontaktiert werden. Dieser steht seinem Mandanten zur Seite und weiß aus Erfahrung, welches das beste Vorgehen ist. Sie möchten Ihre Möglichkeiten überprüfen lassen? Hier finden Sie unseren Strafrechts-Check.

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