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Anzeige Betrug

Anzeige wegen Betrug: Was Betrogene und Beschuldigte tun können

4. Oktober 2022 um 13:44

Wer in Deutschland einen anderen Menschen betrügt, macht sich strafbar und handelt sich schnell eine Anzeige wegen Betrug ein. Wie fälschlich Beschuldigte in dieser Situation am besten vorgehen und unter welchen Umständen eine Anzeige wegen Betrug möglich ist, fasst dieser Artikel verständlich zusammen.

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Junges Paar sitzt mit einer Kreditkarte vor dem Laptop, um Betrug anzuzeigen.
Das Wichtigste in Kürze
  • Betrug stellt eine Straftat gemäß § 263 des Strafgesetzbuchs (StGB) dar.
  • Betrug liegt vor, wenn jemand einen anderen täuscht und dessen Vermögen schädigt. 
  • Damit Betrug bestraft werden kann, müssen Betroffene Anzeige wegen Betrug erstatten und dabei Fristen beachten.
  • Aufgrund der Komplexität des Strafverfahrens sollten sich sowohl Betroffene als auch Beschuldigte von Betrug anwaltlich beraten lassen.

Was zählt strafrechtlich als Betrug?

Es gibt verschiedene Arten von Betrug, das macht auch die hohe Zahl der Betrugsdelikte deutlich: 2021 waren es laut einer Statistik des Bundeskriminalamts rund 790.000. Die Bandbreite der Delikte reicht von Sozialbetrug über Versicherungsbetrug bis hin zu Warenbetrug.

Die strafrechtliche Definition von Betrug regelt das Strafgesetzbuch (§ 263 StGB). Demnach ist Betrug ein Delikt, das einen Vermögensschaden verursacht und bereits beim Versuch bestraft werden kann.

Strafbar macht sich dabei, wer einen anderen Menschen vorsätzlich täuscht und den Irrtum aufrechterhält, um sich selbst einen Vermögensvorteil zu verschaffen.

Zwei bekannte Formen solcher Täuschungshandlungen sind

  • der Enkeltrick: Menschen im Seniorenalter überlassen vermeintlichen Enkelkindern Geld, weil diese eine falsche Identität vortäuschen.
Junge Frau ist davon überrascht, Opfer von Betrug geworden zu sein und hält eine Kreditkarte in der Hand.
  • der Warenbetrug: Ein Verkäufer auf einem Online-Marktplatz sichert einem Käufer gegen Geld den Versand von Waren zu. Er glaubt ihm, obwohl der Verkäufer nicht vorhat, die Waren wirklich zu versenden.

Wie kann ich Anzeige wegen Betrug erstatten?

Wer Opfer von Betrug wird, erleidet dabei oft einen nicht unerheblichen finanziellen Schaden. Der erste Schritt, um sich zu wehren, ist die Anzeige wegen Betrug. 

Bei Betrug Anzeige erstatten können Betroffene bei

  • der Polizei,
  • der Staatsanwaltschaft und
  • dem örtlichen Amtsgericht.

Nicht nur Geschädigte selbst können Betrug anzeigen, sondern auch alle anderen Personen, die über den Betrug informiert sind – solange sie Beweise vorlegen können. Ein Strafantrag darf dagegen nur von Personen gestellt werden, die durch die Tat verletzt wurden.

Gut zu wissen

Ein Strafantrag ist bei Betrug nur nötig,

  • wenn die tatverdächtige Person und das Opfer in einer häuslichen Gemeinschaft leben,
  • zwischen ihnen ein familiäres oder betreuungsrechtliches Verhältnis besteht oder 
  • der Schaden nur geringfügig ist und unter 50 Euro liegt. 

In diesen Fällen würde die Staatsanwaltschaft nur auf Antrag und nicht aufgrund einer Strafanzeige ermitteln.

Lohnt sich eine Strafanzeige wegen Betrugs überhaupt?

Betroffene sollten unbedingt die Kosten eines Betrugsstreits abwägen, bevor sie das Delikt online oder auf der Polizeiwache anzeigen – das gilt insbesondere für Internetbetrug. Wer zum Beispiel im Internet einen Artikel im Wert von 75 Euro kauft und die Ware nicht erhält, würde mit den Anwaltskosten weit über dem Streitwert liegen. 

In diesem Fall können Betroffene versuchen, Kontakt mit der Gegenseite aufzunehmen und sich im nächsten Schritt an die Verkaufsplattform zu wenden oder eine Anzeige wegen Internetbetrug erstatten.

Online einen Betrugsversuch melden? Polizei nimmt Anzeige im Web entgegen

Dank der voranschreitenden Digitalisierung ist es in Deutschland mittlerweile problemlos möglich, sich auf dem digitalen Weg an die Polizei zu wenden. Über die Website der Polizei des jeweiligen Bundeslandes, die sogenannte Onlinewache, können Opfer von Betrug eine Online-Strafanzeige erstatten. 

Auch Beweise lassen sich über das entsprechende Web-Formular der Polizei hochladen. Lediglich Zeugenaussagen müssen vor Ort abgegeben werden.

Strafanzeige wegen Betrug zurücknehmen

Eine Betrugsanzeige sollte wohlüberlegt sein. Denn Strafanzeigen lassen sich grundsätzlich nicht mehr zurücknehmen. Betroffene gehen auf Nummer Sicher, indem sie sich polizeilich oder anwaltlich beraten lassen und bereits vor einer Strafanzeige klären, ob tatsächlich ein Betrug vorliegt. Ein Anwalt kann außerdem eine erste Einschätzung dazu abgeben, mit welchen Chancen und welcher Entschädigung zu rechnen ist.

Jetzt Möglichkeiten prüfen

Verjährungsfrist beachten

Opfer eines Betrugsdelikts warten am besten nicht zu lange mit der Anzeige: Betrug hat wie viele andere Straftaten ein Verfallsdatum. Wann eine Straftat verjährt, ergibt sich aus § 78 StGB: Demnach gilt bei Betrugsdelikten eine Verjährungsfrist von fünf Jahren. Sie beginnt, wenn die Tat vollendet ist und dem Opfer ein Vermögensschaden entstanden ist.

Ablauf eines Strafverfahrens wegen Betrug

Nach einer Anzeige wegen Betrug beginnt das Ermittlungsverfahren und die Strafverfolgungsbehörden untersuchen die vermeintliche Tat, zum Beispiel, indem sie die beschuldigte Person verhören. Anhand der Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie das Verfahren einstellt oder an das Gericht übergibt.

Eingestellt wird das Verfahren etwa, wenn kein hinreichender Tatverdacht gegen die beschuldigte Person besteht oder die Schwere der Schuld nur gering ist. Das Betrugsopfer kann dann eine Privatklage einreichen, um zu ihrem Recht zu kommen. Eine Einstellung kann auch mit Geldauflagen oder gemeinnützigen Leistungen verbunden sein.

Strafbefehl und Hauptverfahren

Wird das Verfahren fortgeführt, kann das Gericht Anklage erheben oder einen Strafbefehl erlassen. Beim Strafbefehl entscheidet das Gericht auf Basis der Aktenlage und ohne Hauptverhandlung über die Strafe der beschuldigten Partei. Er gleicht also einem Urteil.

Bei einem Einspruch gegen den Strafbefehl oder auf Anweisung des Gerichts kann auch ein Hauptverfahren eröffnet werden, in dem sich beide Seiten vor dem Richter äußern dürfen.

Welche Strafen drohen bei Betrug?

Bei Betrug droht eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Bei einer Verurteilung müssen Beschuldigte außerdem mit einem Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis rechnen.

Wie bei vielen Delikten im Strafrecht hängt das genaue Strafmaß vom Einzelfall ab. Es richtet sich unter anderem nach etwaigen Vorstrafen der Beschuldigten und der Schadenshöhe.

Dargestellt werden Aktenordner, die Anzeigen wegen Betrug symbolisieren sollen.

Anzeige wegen Betrug erhalten: Das können Betroffene jetzt tun

Wer wegen Betrug angezeigt wird, sollte Ruhe bewahren, um keine Fehler zu machen. Mit anwaltlicher Unterstützung steigen die Chancen auf ein mildes Strafmaß oder die Einstellung des Verfahrens.

Stellungnahme bei Vorladung oder Erhalt eines Anhörungsbogens 

Dass einer Person Betrug vorgeworfen wird, merkt diese spätestens, wenn sie für eine Aussage vorgeladen wird oder einen Anhörungsbogen erhält. Dabei handelt es sich um ein Formular, in dem Beschuldigte zu einer Tat Stellung nehmen sollen.

Ohne rechtlichen Beistand sollten Beschuldigte keine Aussage gegenüber der Polizei oder der Staatsanwaltschaft machen, da diese später gegen sie verwendet werden kann. Schweigen darf der angezeigten Person dagegen nicht nachteilig angelastet werden.

Warum sollte ich einen Anwalt hinzuziehen und was kostet das?

Um hohe Strafen zu verhindern oder die Betrugsanzeige sogar abzuwehren, lohnt es sich für Beschuldigte grundsätzlich, einen Anwalt hinzuziehen. Vor allem, wenn die Anzeige ungerechtfertigt war oder die angezeigte Person nicht vorsätzlich gehandelt hat. 

Der Anwalt kann unter anderem

  • Einsicht in die Strafakte fordern
  • eine Verteidigungsstrategie planen 
  • Beschuldigte vor Gericht vertreten.

Für diese Arbeiten wird ein Anwaltshonorar fällig. Da sich mit rechtlichem Beistand jedoch oft hohe Strafen für Betrug abwenden lassen, sind diese Kosten gut investiertes Geld. Erwirkt der Anwalt einen Freispruch, übernimmt die Klageseite die Anwalts- und Gerichtskosten.

Strafbefehl erhalten: Anfechten oder akzeptieren? 

Wer einen Strafbefehl wegen Betrug erhält und damit nicht einverstanden ist, kann dagegen mit einer Frist von zwei Wochen Einspruch erheben. Das Gericht muss den Fall dann in einer mündlichen Hauptverhandlung neu bewerten.

In dieser Situation ist es besonders wichtig, sich anwaltlich beraten zu lassen und die Erfolgsaussichten genau zu prüfen. Denn wenn die Beweislast erdrückend ist, kann es wirtschaftlich sinnvoller sein, den Strafbefehl zu akzeptieren. Ist der Strafbefehl dagegen fehlerhaft oder ist der Sachverhalt nicht korrekt dargelegt, kann sich ein Einspruch gegen den Strafbefehl lohnen.

Lohnt sich bei Betrug eine Selbstanzeige?

Bei einer Steuerhinterziehung ist es möglich, die Straftat selbst anzuzeigen und auf Straffreiheit zu hoffen. Beim Betrug haben Beschuldigte diese Möglichkeit allerdings nicht. Eine Selbstanzeige kann sich dennoch strafmildernd auswirken. Um die Chance auf Strafmilderung zu erhöhen, ist es ratsam, einen Anwalt zu involvieren.

Fazit zur Anzeige wegen Betrug

Im Fall von Betrug sind sowohl Geschädigte als auch Beschuldigte gut beraten, wenn sie ihre Rechte mit Profis durchsetzen. Eine Betrugsanzeige kann für Beschuldigte harte Strafen und hohe Kosten nach sich ziehen. 

Mit der richtigen Strategie und einem professionellen Auge für Schwachstellen im Strafbefehl oder der Anklage lassen sich Höchststrafen in der Regel abwenden. Wer wegen Betrug angezeigt wurde oder sich betrogen fühlt, erhält über den unkomplizierten Online-Check von SIEGFRIED eine erste Einschätzung der Situation und kann dann weitere Schritte planen.

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