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Versicherungsbetrug

Diese Strafen drohen bei Versicherungsbetrug

28. September 2022 um 12:07

Jährlich geht der Schaden, der durch Versicherungsbetrug entsteht, in die Milliardenhöhe. Die Folgen sind immens und  deshalb ist Versicherungsbetrug alles andere als ein Kavaliersdelikt. Dieser Artikel klärt, was Versicherungsbetrug ist, welche Strafen drohen und wie Beschuldigte sich verhalten sollten.

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Ein Mann im Anzug stoppt den Fall von Dominosteinen, um Versicherungsbetrug zu erklären.
Das Wichtigste in Kürze
  • Versicherungsbetrug wird begangen, wenn Versicherte versuchen, sich durch unrichtige Angaben Geld von einer Versicherung zu erschleichen. 
  • Es gibt verschiedene Varianten des Versicherungsbetrugs, zum Beispiel das absichtliche Herbeiführen von Schäden, eine übertriebene Darstellung oder die Meldung von Schäden, die es nicht gibt. 
  • Versicherungsbetrug wird mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet. 
  • Eine Ersteinschätzung rund um das Thema Versicherungsbetrug gibt es in unserem unkomplizierten Online-Check.

Wann spricht man von Versicherungsbetrug?

Von Versicherungsbetrug spricht man, wenn ein Versicherter versucht, sich durch das Vortäuschen falscher Tatsachen und unwahre Behauptungen eine Versicherungsleistung zu erschleichen.

Versicherungsbetrug: Definition nach StGB

Versicherungsbetrug fällt unter den Straftatbestand des Betrugs gemäß § 263 Strafgesetzbuch (StGB). Daneben gibt es noch den Versicherungsmissbrauch nach § 265 StGB. Ein solcher liegt vor, wenn ein versicherter Gegenstand beschädigt oder zerstört wird, um sich eine Zahlung der Versicherung zu erschleichen. Auch versuchter Versicherungsbetrug ist strafbar.

Die häufigsten Fälle von Versicherungsbetrug: Beispiele

Es gibt verschiedene Vorgehensweisen, wie versucht wird, die Versicherung zu betrügen. Besonders häufig kommen diese Fälle vor:

  • Ein Schaden wird vorsätzlich herbeigeführt:
    Das heißt, der Versicherungsnehmer verursacht selbst einen Schaden und meldet diesen der Versicherung. Ein Beispiel hierfür ist die Manipulation von Wasserleitungen, um einen Wasserschaden herbeizuführen. 
  • Ein Schaden wird vorgetäuscht:
    In diesem Fall meldet der Versicherungsnehmer einen Schaden, den es überhaupt nicht gibt – zum Beispiel einen Autounfall, der gar nicht stattgefunden hat. 
  • Das Schadenereignis wird falsch geschildert:
    Das bedeutet, es gibt zwar einen Schaden, jedoch schildert der Versicherungsnehmer den Ablauf nicht wahrheitsgemäß der Versicherung. Diese Variante liegt beispielsweise vor, wenn der Versicherte vertuschen will, dass er grob fahrlässig gehandelt hat. 
  • Der Schaden wird übertrieben dargestellt:
    In diesem Fall wird der Schaden höher gemeldet, als er in Wirklichkeit ausgefallen ist. Zum Beispiel, wenn es sich bei einem beschädigten Teppich auf einmal um einen teuren Luxus-Teppich gehandelt haben soll.

Von Versicherungsbetrug betroffen sind verschiedene Versicherungen, besonders die Haftpflichtversicherung im Zusammenhang mit Schäden an Smartphones oder anderen technischen Geräten. Hier einige Beispiele: 

  • Einem Handy-Besitzer fällt sein Gerät herunter und es geht zu Bruch. Damit er den Schaden von einer Versicherung bezahlt bekommt, vereinbart er mit einem Freund, dass dieser den Schaden seiner Haftpflicht meldet und behauptet, er habe das Smartphone beschädigt. 
  • Nach einem Wohnungseinbruch melden die Mieter teuren Schmuck bei der Versicherung als gestohlen, den es in Wirklichkeit nie gab. Es kommt auch vor, dass der komplette Einbruch nur vorgetäuscht wird und dann der Versicherung angeblich gestohlene Gegenstände gemeldet werden. 
  • Bei der Krankenversicherung werden falsche Rechnungen für Behandlungen eingereicht, um sich Zahlungen zu erschleichen. 
  • Ein Versicherter behauptet, sein Fahrrad sei gestohlen worden. Tatsächlich hat er aber nie ein Fahrrad besessen und die entsprechende Rechnung gefälscht.
Zum Online-Check

Versicherungsbetrug durch provozierte Unfälle

Eine Variante des Versicherungsbetrugs ist auch die der vorsätzlich herbeigeführten Unfälle. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht sogar davon aus, dass in Deutschland jeder achte bis zehnte Verkehrsunfall manipuliert wurde. Dabei “verabreden” sich Autofahrer entweder gezielt zu einem Unfall oder sie verwickeln ahnungslose andere Autofahrer absichtlich in einen Unfall. Das Ziel ist bei beiden Szenarien das gleiche: Die Täter wollen Geld von der Kfz-Versicherung kassieren.

Verdacht auf Versicherungsbetrug: So handeln Sie richtig

Wer den Verdacht hat, dass mit einem Versicherungsfall etwas nicht stimmt, sollte im ersten Schritt seine Versicherung kontaktieren und ihr seinen Verdacht mitteilen. Darüber hinaus kann – gegebenenfalls auch nach Rücksprache mit der Versicherung – Strafanzeige bei der Polizei gestellt werden. 

Anders sieht es bei dem Verdacht auf einen manipulierten Unfall aus: Hier sollte man die Polizei zum Unfallort rufen und dieser mitteilen, dass der Verdacht auf Versicherungsbetrug besteht. Anschließend sollte man die Versicherung kontaktieren und dieser ebenfalls den Verdacht mitteilen. Diese kann dann gegebenenfalls auch den Sachverständigen informieren, der den Unfall begutachten soll. 

Diese Punkte können im Fall eines Unfalls auf Versicherungsbetrug hindeuten:

  • Der Unfallgegner hat abrupt und grundlos abgebremst, um einen Auffahrunfall zu provozieren. 
  • Er hat ein Handzeichen gegeben, um Vorfahrt zu gewähren, ist dann aber doch selbst losgefahren. Später bestreitet er dies. 
  • Er ist plötzlich aus einer Einfahrt oder einer Parklücke herausgefahren, als hätte er auf sein “Opfer” gewartet. 
  • Nach dem Unfall verhält der Unfallgegner sich völlig ruhig und routiniert, als wäre ein Unfall nichts Besonderes für ihn. 
  • Es tauchen aus dem Nichts auf einmal Zeugen auf, die angeblich den Unfallhergang bestätigen können. 
  • Der Unfallgegner will die Fahrzeuge sofort wegfahren und beginnt, Spuren zu beseitigen.

Sollten Versicherte andererseits das Gefühl haben, dass ihnen Versicherungsbetrug unterstellt wird, sollten sie sich so schnell wie möglich an einen Rechtsanwalt für Strafrecht wenden und mit diesem das weitere Vorgehen besprechen. Sie sollten sich in jedem Fall nicht zu unbedachten Aussagen oder gar Eingeständnissen überreden lassen. Ein Experte kann die Sachlage aus seiner Erfahrung heraus einschätzen und weiß genau, wie in einem solchen Fall richtig gehandelt wird.

Versicherungsbetrug und das Vorgehen der Haftpflichtversicherung

Haftpflichtversicherer können, wenn ihnen ein Verdacht gemeldet wird, über Gutachten und Simulationen des Unfalls den Ablauf rekonstruieren und so eventuell den Betrug aufdecken. Bei ihren Nachforschungen können sie auch feststellen, wenn ein Fahrzeughalter immer wieder als Unfallbeteiligter in Erscheinung tritt oder sogar schon einmal wegen Versicherungsbetrugs aufgefallen ist. 

Das Gleiche gilt für Sachverständige, die in den Versicherungsbetrug verwickelt sind und schon in der Vergangenheit verdächtige Gutachten erstellt haben. Darüber hinaus kann es auch sein, dass Versicherungsbetrüger als Bande nach dem gleichen Schema in einer bestimmten Region auftreten und so bestimmten Fällen zugeordnet werden können.

Welche Strafen drohen bei Versicherungsbetrug?

Wird jemand ausschließlich wegen Versicherungsbetrugs verurteilt, wird dieser mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren oder einer Geldstrafe bestraft. Besonders schwere Fälle – zum Beispiel bei bandenmäßigem Betrug – werden mit bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet. Für Versicherungsmissbrauch nach § 265 StGB droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. 

Jedoch kann es im Rahmen von Versicherungsbetrug noch zu weiteren Straftaten kommen, die beim Strafmaß berücksichtigt werden, zum Beispiel Urkundenfälschung, Brandstiftung, Sachbeschädigung oder gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Versicherungsbetrug: So gehen Versicherungen dagegen vor

Um Betrügern auf die Spur zu kommen, investieren Versicherungen viel Geld und Aufwand. Unregelmäßigkeiten fallen oftmals bereits bei der automatisierten Schadensprüfung auf, wenn zum Beispiel widersprüchliche Angaben gemacht wurden. Besteht daraufhin der Verdacht auf Versicherungsbetrug, wird die Schadenmeldung noch einmal überprüft und geschaut, ob sich der Verdacht entkräften lässt oder sich erhärtet. 

Ist Letzteres der Fall, wird noch genauer nachgeforscht. Dafür stehen den Versicherungen verschiedene Mittel zur Verfügung, zum Beispiel Sachverständigengutachten, Detektive oder Ortsbesichtigungen. Seit 2011 gibt es auch ein Hinweis- und Informationssystem (HIS) für Versicherungen, in dem alle Schäden erfasst werden und das bei der Aufdeckung von Versicherungsbetrug helfen soll. 

Erhärtet sich der Verdacht auf einen Betrugsfall, kann die Versicherung Strafanzeige stellen. Neben der strafrechtlichen Verfolgung drohen Versicherungsbetrügern noch weitere Konsequenzen: Die Versicherung wird ihnen fristlos kündigen und bereits bezahlte Leistungen zurückfordern. Hinzu kommt, dass es für verurteilte Betrüger in Zukunft schwierig sein wird, wieder irgendwo eine Versicherung abzuschließen.

Wann verjährt Versicherungsbetrug?

Betrug, also auch Versicherungsbetrug, verjährt nach fünf Jahren und kann dann nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden. Die Verjährungsfrist beginnt meistens nach Abschluss der Tat zu laufen, wofür bei Versicherungsbetrug oft die Auszahlung der Versicherungssumme angenommen wird.

Symbolische Darstellung von Versucherungsbetrug durch eine Lupe, die in Richtung eines Formulars zeigt.

Fazit: Versicherungsbetrug wird streng verfolgt und bestraft

Sowohl Versicherungen als auch Betroffene und andere Versicherte haben ein großes Interesse daran, dass Versicherungsbetrug aufgeklärt und bestraft wird. Versicherungen erleiden jedes Jahr Milliardenschäden durch Betrug. Daher sollte diese Straftat nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wer Versicherungsbetrug vermutet, sollte sich daher schnell an die Polizei und den Versicherer wenden. Wer sich hingegen mit Vorwürfen konfrontiert sieht, sollte nicht selbst auf die Anschuldigungen reagieren, sondern einen Anwalt für Strafrecht hinzuziehen.

Sie brauchen schnelle und unverbindliche Hilfe rund um das Thema Versicherungsbetrug? Mit unserem unkomplizierten  Online-Check erhalten Sie eine erste rechtliche Einschätzung und Hilfe bei den weiteren Schritten.

Versicherungsbetrug: Ein Mann hält ein beschädigtes Paket in seinen Händen.
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