SIEGFRIED logo
ClubKonto
SIEGFRIED logo
SuchenGenerated with Avocode.zoomGroup 65Group 64Path 21Group 67Group 66Path 22
Home
Anzeige Unterschlagung

Anzeige wegen Unterschlagung: Alles Wissenswerte

2. November 2022 um 09:21

Neben dem Diebstahl ist die Unterschlagung ein weit verbreitetes Delikt. Dennoch fällt es schwer, sich etwas unter dem Begriff “Unterschlagung” vorzustellen. Da bei einer Verurteilung wegen Unterschlagung mehrere Jahre Haft oder eine Geldstrafe drohen, sollten Sie nicht untätig bleiben, wenn Ihnen strafbares Handeln vorgeworfen wird. Was man unter Unterschlagung versteht, warum es sinnvoll ist, Anzeige zu erstatten und wie Sie sich verhalten können, wenn Sie eine Anzeige wegen Unterschlagung erhalten haben, erfahren Sie in diesem Artikel.

Artikel teilen
Mann in grauen Anzug sitzt an einem Tisch und steckt sich Geld in die Anzuginnentasche.
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Unterschlagung ist eine Straftat, bei der sich jemand eine fremde bewegliche Sache rechtswidrig zueignet.
  • Bei einer Unterschlagung müssen Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren oder einer Geldstrafe rechnen, in besonderen Fällen ist sogar eine Strafe von bis zu 5 Jahren möglich.
  • Anders als beim Diebstahl ist für eine Unterschlagung nicht zwingend erforderlich, dass eine Person eine Sache entwendet. Unterschlagung liegt vor, wenn die jemand bereits Zugriff auf die Sache hatte, etwa weil sie ihm geliehen oder vermietet wurde, diese aber nicht zurückgegeben wird.
  • Wer eine Anzeige wegen Unterschlagung erhalten hat, sollte sich umgehend an einen Fachanwalt für Strafrecht wenden. Dieser kann Akteneinsicht beantragen und Betroffene individuell beraten. 

Definition: Was ist Unterschlagung?

Im Gegensatz zum Diebstahl liegt eine Unterschlagung vor, wenn eine Person die tatsächliche Verfügungsgewalt über die Sache erlangt. In anderen Worten: Die Person hat die Sache nicht "geklaut", sondern ist mit Wissen des Eigentümers an die Sache gekommen. Im Alltag besteht in diesem Zusammenhang häufig ein Mietverhältnis oder eine Leihe, aber auch andere Konstellationen sind bei der Unterschlagung denkbar.

Der Unterschlagung (§ 246 StGB) macht sich laut Gesetz strafbar, wer vorsätzlich

  • eine fremde bewegliche Sache
  • sich oder einem Dritten
  • rechtswidrig zueignet.

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Beschäftigte gewisse Gegenstände im Unternehmen mitnehmen oder bestimmte Sachen unbemerkt entwendet werden. Im Gegensatz zum Diebstahl ist bei der Unterschlagung keine Wegnahme erforderlich, die Sache wird angeignet, ohne dass sie im Gewahrsam eines anderen steht. Eine veruntreuende Unterschlagung liegt vor, wenn einer Person eine Sache anvertraut wurde und er diese dem Eigentümer vorenthält.

Dies ist etwa dann der Fall, wenn Beschäftigte Arbeitsmaterial erhalten haben (z.B. einen Dienstwagen oder Ähnliches) und diesen nach Kündigung behalten - oder wenn Gegenstände gemietet oder geliehen waren und der Beliehene oder Mieter diese nicht zurückgibt.

Hände einer Person sind hinter Rücken verschränkt, in Handschellen und halten Geld in der Hand.

Die Unterschlagung ist gegenüber anderen Delikten abzugrenzen:

  • Der Eigentümer darf die Sache bei der Unterschlagung nicht mehr in seinem Gewahrsam haben, sonst liegt eine Wegnahme und damit ein Diebstahl vor (§ 242 StGB).
  • Von der Unterschlagung zu unterscheiden ist außerdem der Betrug, bei dem der Eigentümer die Sache wegen Täuschung an den Beschuldigten weitergibt, also aus seinem Gewahrsam herausgibt (§ 263 StGB).

Unterschlagung ist nicht gleich Unterschlagung - diese Arten gibt es

Im Gegensatz zum Diebstahl von Gegenständen ist es manchmal schwierig zu erkennen, wann eine Unterschlagung vorliegt. Wie bei anderen Delikten gibt es auch bei der Unterschlagung verschiedene Ausprägungen, die von den zuständigen Gerichten unterschiedlich bewertet und bestraft werden. Um den Tatbestand der Unterschlagung zu verdeutlichen, stellen wir Ihnen die häufigsten Formen der Unterschlagung vor.

Zum Online-Check

Fundunterschlagung

Die Fundunterschlagung umfasst Fälle, bei denen verlorene Sachen von jemandem gefunden und behalten werden. Grundsätzlich trifft den Finder von verlorenen Sachen die Pflicht, den Eigentümer ausfindig zu machen oder zumindest die nötigen Schritte zu ergreifen, dass die Sachen wiedererlangt werden können (z.B. in ein Fundbüro bringen). Bleibt der Finder untätig und behält den Fundgegenstand, so macht er sich der Fundunterschlagung schuldig.

Unterschlagung von Bargeld

Wer als Mitarbeiter in die Kasse greift und seinem Unternehmen Bargeld entwendet, macht sich ebenfalls einer Unterschlagung strafbar. Es handelt sich um fremdes Geld, welches im Eigentum einer anderen Person steht.

Unterschlagung am Arbeitsplatz

Wer Gegenstände vom Arbeitsplatz rechtswidrig einbehält, macht sich ebenfalls der Unterschlagung strafbar. Teilweise kommt aber auch ein Diebstahl in Betracht. Neben der strafrechtlichen Folgen kommt bei dieser Art von Unterschlagung meist eine fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses hinzu.

Veruntreuende Unterschlagung

Die veruntreuende Unterschlagung liegt immer dann vor, wenn eine Sache einer bestimmten Person anvertraut wurde. Eine Vielzahl von Vertrauensverhältnissen wird durch eine solche Unterschlagung zerstört.

Gut zu wissen

Anvertraute Sachen sind bei der veruntreuenden Unterschlagung häufig:

  • Geliehen (z.B. unter Freunden oder Bekannten)
  • Gemietet (z.B. gemietete Examensbücher)
  • Geleast (z.B. PKWs)
  • Zur Verwahrung überlassen
  • Zur Durchführung eines Auftrags oder der Arbeit überlassen
  • Unter Eigentumsvorbehalt geliefert (der Eigentümer behält trotz Lieferung das Eigentum)
  • Sicherungsübereignet (durch die Übereignung entsteht kein Eigentum, Besitz oder ein Nutzungsrecht an der Sache)

Unterschlagung anzeigen: Voraussetzungen & Vorgehen

Zunächst: Niemand muss eine Unterschlagung zur Anzeige bringen. Doch häufig haben Betroffene ein Interesse daran, die Tat aufklären zu lassen und ihre Gegenstände zurückzuerhalten.

Soll etwa eine Versicherung für den Schaden aufkommen, ist eine Anzeige wegen Unterschlagung meist zwingende Voraussetzung. Aber auch wenn Sie die Chance erhöhen möchten, die Sache irgendwann zurückzuerlangen, kann es sinnvoll sein, eine Anzeige zu stellen. Andernfalls werden die Strafverfolgungsbehörden nicht wegen der Unterschlagung ermitteln.

Dabei haben Betroffene verschiedene Möglichkeiten:

  • Anzeigen können sowohl bei der zuständigen Polizeidienststelle als auch bei der Staatsanwaltschaft oder der sogenannten Internetwache gestellt werden.
  • Es gibt keine Form- oder Fristerfordernisse-, eine Anzeige kann also jederzeit und von jedem erstattet werden. Auch Zeugen können eine Unterschlagung anzeigen.
  • Möglich ist auch eine mündliche Anzeige bei der Polizeiwache. Dabei schildern Sie den Sachverhalt und tragen vor, wen Sie anzeigen möchten (sofern Sie dies wissen). Die Beamten werden Ihre Schilderungen schriftlich festhalten und unterschreiben das Protokoll zum Schluss.
  • Es ist grundsätzlich nicht von Bedeutung, ob eine Anzeige per Post, E-Mail oder Fax bei den Ermittlungsbehörden eingeht. In jedem Fall muss die Behörde Ihnen den Eingang bestätigen und über den aktuellen Stand der Ermittlungen informieren.
  • In einigen Bundesländern ist auch eine Online-Anzeige über ein Internet-Portal möglich. Welche Kommunikationswege bereitstehen, können Sie auf den jeweiligen Webseiten der zuständigen Landespolizei finden.

Schwieriger als die Anzeigeerstattung ist es häufig zu beweisen, dass die angezeigte Person bei der Unterschlagung tatsächlich Zueignungsabsicht hatte.

Ob eine Anzeige im Einzelnen Aussicht auf Erfolg hat, kann ein erfahrener Anwalt für Sie in einem persönlichen Gespräch prüfen. Orientierung erhalten Sie durch den SIEGFRIED Online-Check.

Mann in Anzug verkreuzt Finger hinter Rücken und hält Geldscheine in der anderen Hand.

Anzeige wegen Unterschlagung erhalten

Wer eine Anzeige wegen Unterschlagung erhalten hat, wird zunächst nur darüber informiert, dass Ermittlungen gegen ihn laufen. Ob es zu einem Strafprozess kommt, ist damit nicht entschieden.

Dennoch kann es sinnvoll sein, möglichst früh einen erfahrenen Strafverteidiger oder einen Fachanwalt für Strafrecht einzuschalten. Nur so können Sie Einfluss auf das Verfahren nehmen und sich gegenüber dem Vorwurf der Unterschlagung verteidigen zu können.

Wenn Sie betroffen sind, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Machen Sie keine unüberlegten Angaben bei der Polizei. Zurecht möchten Sie die Vorwürfe aufklären und Ihre Sicht der Dinge schildern. Allerdings können Sie sich mit einer Aussage schnell selbst belasten und dafür sorgen, dass bestimmte Formulierungen gegen Sie verwendet werden.
  • Betroffene sind häufig juristisch nicht geschult und werden durch die Ermittlungsbehörden nicht über die Faktenlage aufgeklärt. Nur ein Anwalt kann Akteneinsicht beantragen und prüfen, wie es um die Beweise steht. Vorher sollten Sie keiner Vernehmung durch die Polizei zustimmen.
  • Sie sind nicht dazu verpflichtet, zur polizeilichen Vorladung zu erscheinen. Vielmehr können Sie diesen Termin ohne die Angabe von Gründen absagen oder ihm fernbleiben, bis Sie einen Anwalt gesprochen haben. Sie haben zu jeder Zeit (auch schon während den Ermittlungen) das Recht, einen Anwalt zu kontaktieren.
  • Bei einer Wohnungsdurchsuchung sollten Sie möglichst Ruhe bewahren und keinen Widerstand leisten. Geben Sie dennoch keine Gegenstände freiwillig heraus und dokumentieren Sie genau, was passiert ist.

Angezeigt wegen Unterschlagung: Diese Strafen drohen

Wenn Sie einer Straftat beschuldigt werden, sollten Sie dies nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wer sich einer Unterschlagung schuldig macht, muss bei einer Verurteilung mit bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe rechnen. Handelt es sich um eine veruntreuende Unterschlagung, droht eine höhere Strafe von bis zu 5 Jahren.

Wie hoch die Strafe im Einzelnen ausfällt, entscheidet jedes Gericht individuell und nach den Umständen des Einzelfalles. Neben der konkreten Tat spielen bei der Unterschlagung auch das Alter der beschuldigten Person, eventuelle Vorstrafen und das Motiv eine Rolle. 

Fazit: Unterschlagung ernstnehmen und Rechte geltend machen

Bei einer Unterschlagung drohen sensible Strafen, die in jedem Fall ernst zu nehmen sind. Lassen Sie sich also in jedem Fall rechtlich beraten und mandatieren Sie einen kompetenten Anwalt für Strafrecht, um möglichst früh Einfluss auf das Strafverfahren nehmen zu können.

Wurde Ihnen eine Sache unterschlagen, kann es sinnvoll sein, eine Anzeige zu stellen und damit die Chance zu erhöhen, den unterschlagenen Gegenstand wiederzubekommen. Hierzu können Sie sowohl vor Ort als auch online eine Anzeige erstatten und den Sachverhalt schildern. 

Prüfen Sie Ihre Möglichkeiten in dem Online-Check von SIEGFRIED.

Artikel teilen

Beliebteste Artikel

Vor dem Fahrraddiebstahl: Ein Mann mit Handschuhen und Zange in der Hand nähert sich einem Fahrrad.
Fahrraddiebstahl: So verhalten Sie sich richtig
Allein im Jahr 2021 wurden der Berliner Polizei 25.438 Fahhraddiebstähle gemeldet. Viele Städter ken…
Sichtbar ist eine aufgebrochene Tür und Chaos nach einem Einbruchdiebstahl.
Wohungseinbruchdiebstahl: Diebstahlarten, Strafen und Versicherungsfragen
Allein über 50.000 Wohnungseinbruchdiebstähle gab es in 2021 in Deutschland. Einbruchdiebstähle in G…
Eine Kundin steckt sich eine Flasche Wein in die Tasche und begeht somit Ladendiebstahl.
Ladendiebstahl: Diese Strafen drohen
Ladendiebstahl ist in Deutschland ein weit verbreitetes Phänomen, das den Einzelhandel viele Million…
Hände nehmen einer anderen Person Handy aus Jackentasche.
Anzeige wegen Diebstahl - Was tun?
Egal ob Fahrraddiebstahl, Taschendiebstahl oder der Wohnungseinbruchsdiebstahl - der Diebstahl gehör…
Gewerbsmäßiger Diebstahl: Mann mit Handschuhen klaut drei Laptops.
Gewerbsmäßiger Diebstahl: Definition und Strafen
Bei einem gewerbsmäßigen Diebstahl drohen hohe Freiheitsstrafen. Dabei bewertet das Gesetz bereits d…

Top Themen

Arrow iconAbgasskandal: Zusammenfassung und Ausblick auf 2022
Eine Marke der SIEGFRIED.DE GmbH