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Schwerer Diebstahl

Besonders schwerer Diebstahl – das sollten Beschuldigte wissen

5. Oktober 2022 um 11:39

Beschuldigte sollten insbesondere zwei Dinge beherzigen, sollten sie mit dem Vorwurf eines besonders schweren Diebstahls konfrontiert sein: Erstens – vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen und zweitens – sofort einen Anwalt konsultieren. Denn der besonders schwere Diebstahl gemäß § 243 StGB ist kein Kavaliersdelikt – immerhin drohen bis zu 10 Jahre Freiheitsstrafe. Alles, was Sie über den besonders schweren Diebstahl wissen sollten, lesen Sie in diesem Artikel.

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Tür wurde während besonders schwerem Diebstahl gewaltsam aufgebrochen.
Das Wichtigste in Kürze
  • Besonders schwerer Diebstahl liegt vor, wenn zu einem einfachen Diebstahl noch ein erschwerender Faktor hinzukommt.
  • Diese Umstände sind in § 243 StGB genannt und beinhalten etwa Einbruch, Gewerbsmäßigkeit oder die Hilflosigkeit des Opfers.
  • Besonders schwerer Diebstahl wird strenger bestraft als einfacher Diebstahl.

Wann handelt es sich um einen besonders schweren Diebstahl?

Kommt zu einem "normalen", einfachen Diebstahl ein Tatbestand aus § 243 StGB hinzu, liegt ein besonders schwerer Fall des Diebstahl vor. Die Strafen fallen dann höher aus als bei einem einfachen Diebstahl. So droht stets eine Freiheitsstrafe - Geldstrafen gibt es beim besonders schweren Diebstahl nicht.

Was unterscheidet einen Diebstahl von einem besonders schweren Diebstahl?

Für einen besonders schweren Diebstahl muss zuerst einmal ein einfacher Diebstahl nach § 242 StGB vorliegen. Man spricht beim Diebstahl von einer Eigentumsverletzung durch Wegnahme einer fremden, beweglichen Sache zwecks Eigentumsanmaßung. Vereinfacht bedeutet das: Der Beschuldigte nimmt vorsätzlich eine fremde Sache an sich. Dabei hat er die Absicht, sie zu behalten oder einem Dritten zu geben. Wichtig dabei ist der Vorsatz: Er weiß, dass ihm die Sache nicht gehört und er will sie trotzdem zu seiner Sache machen.

Der besonders schwere Diebstahl ist eine sogenannte „Strafzumessungsnorm“ zum einfachen Diebstahl. Dadurch kann das Gericht Straftaten, die größeres Unrecht als den Normalfall darstellen, strenger bestrafen. In § 243 StGB sind die Faktoren aufgelistet, die aus einem einfachen Diebstahl einen besonders schweren Diebstahl machen. Für beide gilt jedenfalls: Bereits der Versuch ist strafbar.

Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter (§243)

  1. zur Ausführung der Tat in ein Gebäude, einen Dienst- oder Geschäftsraum oder in einen anderen umschlossenen Raum einbricht, einsteigt, mit einem falschen Schlüssel oder einem anderen nicht zur ordnungsmäßigen Öffnung bestimmten Werkzeug eindringt oder sich in dem Raum verborgen hält,
  2. eine Sache stiehlt, die durch ein verschlossenes Behältnis oder eine andere Schutzvorrichtung gegen Wegnahme besonders gesichert ist,
  3. gewerbsmäßig stiehlt,
  4. aus einer Kirche oder einem anderen der Religionsausübung dienenden Gebäude oder Raum eine Sache stiehlt, die dem Gottesdienst gewidmet ist oder der religiösen Verehrung dient,
  5. eine Sache von Bedeutung für Wissenschaft, Kunst oder Geschichte oder für die technische Entwicklung stiehlt, die sich in einer allgemein zugänglichen Sammlung befindet oder öffentlich ausgestellt ist,
  6. stiehlt, indem er die Hilflosigkeit einer anderen Person, einen Unglücksfall oder eine gemeine Gefahr ausnutzt oder
  7. eine Handfeuerwaffe, zu deren Erwerb es nach dem Waffengesetz der Erlaubnis bedarf, ein Maschinengewehr, eine Maschinenpistole, ein voll- oder halbautomatisches Gewehr oder eine Sprengstoff enthaltende Kriegswaffe im Sinne des Kriegswaffenkontrollgesetzes oder Sprengstoff stiehlt.
Zum Strafrechts-Check

Tatbestand: Besonders schwerer Diebstahl

Die in § 243 Abs.1 StGB aufgezählten Fälle werden als „Regelbeispiele“ bezeichnet. Sie machen den einfachen Diebstahl zum besonders schweren Diebstahl. Regelbeispiele sind aber weder zwingend, noch hat diese Liste abschließenden Charakter. Das bedeutet: Die Gesamtbetrachtung des Einzelfalls kann dazu führen, dass das Gericht einen besonders schweren Diebstahl nicht annimmt, obwohl die Voraussetzungen dafür eigentlich vorliegen.

Dies ist insbesondere der Fall, wenn die vermeintliche Tat eine geringwertige Sache betrifft (§ 243 Abs 2 StGB), deren Wert etwa 50,-- Euro nicht überschreitet. Werden mehrere Sachen gestohlen, werden diese übrigens zusammengezählt.

Mann versucht Fenster mit Brecheisen gewaltsam aufzubrechen.

Umgekehrt kann das Vorliegen eines „besonders schweren Diebstahls“ angenommen werden, obwohl der Fall nicht in der Auflistung des § 243 StGB enthalten ist, aber vergleichbare Umstände vorliegen. Der Richter kann darüber frei entscheiden. Es lohnt sich daher, die Bedeutung der einzelnen Punkte genauer zu untersuchen. Denn sie sind dafür entscheidend, ob Beschuldigte mit einer Strafe  wegen normalem Diebstahl oder besonders schwerem Diebstahl rechnen müssen – und damit, ob 5 oder gar 10 Jahre Freiheitsstrafe drohen.

Die Regelbeispiele des § 243 StGB - Definitionen, die darüber entscheiden, ob ein besonders schwerer Diebstahl vorliegt

  • Einbrechen bedeutet das gewaltsame Öffnen eines Hindernisses, das dem Diebstahl entgegensteht. Im Gegensatz dazu versteht man unter Einsteigen das Hineingelangen durch eine für den ordentlichen Eintritt nicht bestimmte Öffnung.
  • Wichtig ist dabei auch, ob überhaupt ein „umschlossener Raum“ vorliegt. Darunter versteht man alles, was dazu geeignet und bestimmt ist, von Menschen betreten zu werden. Außerdem müssen Vorrichtungen vorhanden sein, die das Eindringen unbefugter Personen verhindern sollen. Gebäude, Zimmer, Dienst- oder Geschäftsräume sind immer „umschlossene Räume“, aber auch Schiffe, Autos und Wohnwagen fallen darunter.
  • Unter Eindringen mittels falschen Schlüssels versteht man, einen umschlossenen Raum gegen den Willen des Berechtigten zu betreten. Allerdings nur dann, wenn dazu ein Schlüssel oder ein schlüsselähnliches Werkzeug verwendet wird.
  • Schlüsselähnliche Werkzeuge wirken wie ein Schlüssel auf den Schließmechanismus ein, sind aber selbst keine Schlüssel. Falsch ist ein Schlüssel, wenn er vom Berechtigten nicht zum Öffnen des Schließmechanismus bestimmt wurde.
  • Eine Schutzvorrichtung ist jede Vorrichtung, die geeignet und bestimmt ist, die Wegnahme einer Sache zu erschweren. Gegenüber dem Diebstahl liegt wesentlich mehr kriminelle Energie vor, um sich die Sache rechtswidrig zuzueignen. Muss also eine Kette, ein Schloss oder eine sonstige Sperrvorrichtung überwunden werden, liegt daher auch beim Auto- oder Fahrraddiebstahl ein besonders schwerer Diebstahl vor.
  • Ein weiteres Kriterium des § 243 StGB ist die Gewerbsmäßigkeit des Diebstahls: Der Täter verschafft sich eine dauerhafte Einnahmequelle - in der Gerichtspraxis übrigens der häufigste Fall für die Qualifikation als besonders schwerer Diebstahl.
  • Ebenso streng geahndet werden Kirchendiebstahl, also Sachen, die dem Gottesdienst gewidmet sind,  und  Kunstdiebstahl. Auch Gegenstände der Wissenschaft, Geschichte und Technik, die allgemein zugänglich und öffentlich ausgestellt sind, fallen darunter.
  • Ein weiteres Regelbeispiel ist der Diebstahl in Ausnahmesituationen: Wer einen Unglücksfall oder die Hilflosigkeit einer Person ausnutzt, den trifft die volle Härte des Gesetzes. Das gilt für die Plünderung nach einer Überschwemmung ebenso wie für das Bestehlen einer bewusstlosen oder betrunkenen Person.

Welche Strafen drohen beim besonders schweren Diebstahl?

Welche Strafen bei einem besonders schwereren Fall des Diebstahls drohen, hängt von mehreren Umständen ab. Grundsätzlich macht das Alter des Beschuldigten einen Unterschied. Ob man nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird, hängt davon ab, ob man jünger oder älter als 21 Jahre ist. Zudem richtet sich die Strafe bei einem besonders schweren Diebstahl danach, ob der Beschuldigte ein Ersttäter ist. Ist das der Fall, kann er auf eine mildere Strafe hoffen.

Die Strafen reichen beim besonders schweren Diebstahl von drei Monaten bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe. Sie können auch zur Bewährung ausgesetzt werden. Bei geringen Freiheitsstrafen bis zu 6 Monaten kann diese unter Umständen in eine Geldstrafe – zumeist in Höhe von 30 Tagessätzen - umgewandelt werden. Eine Bewährungsstrafe ist jedoch nur dann möglich, wenn das Gericht eine positive Sozialprognose stellt. Das heißt: Das Gericht geht davon aus, dass der Beschuldigte sein Verhalten ändert und in Zukunft keine weiteren Straftaten mehr ausübt. Außerdem drohen bei einer Verurteilung diverse Registereinträge:

  1. Das Bundeszentralregister führt alle Verurteilungen einer Person. Außerdem erfasst es Freisprüche, die wegen mangelnder Schuldfähigkeit erfolgt sind.
  2. Verurteilungen über 90 Tagessätzen werden ins persönliche Führungszeugnis eingetragen. Hat man bereits einen Eintrag im Bundeszentralregister, so werden alle weiteren Verurteilungen – auch solche unter 30 Tagessätzen – ebenfalls ins persönliche Führungszeugnis eingetragen.
  3. Das Erziehungsregister führt Verurteilungen nach dem Jugendgerichtsgesetz, die keinen Strafcharakter haben und deshalb nicht ins Bundeszentralregister eingetragen werden sollen.
  4. Das zentrale staatsanwaltliche Verfahrensregister führt vorgeworfene Straftaten, Ermittlungsmaßnahmen, Verfahrenseinstellungen und Freisprüche. Darauf haben aber nur wenige Personen Zugriff. Außerdem erfolgt eine Streichung des Eintrags bereits nach 2 Jahren.

Wann verjährt besonders schwerer Diebstahl?

Nach § 78a StGB verjährt  schwerer Diebstahl nach fünf Jahren. Das mag überraschen, weil die Verjährungsfrist für Delikte mit bis zu 10-jähriger Freiheitsstrafe eigentlich 10 Jahre beträgt. Der Grund liegt darin, dass der besonders schwere Diebstahl eine Strafverschärfungsvorschrift des einfachen Diebstahls ist und daher gemäß § 78 Abs. 4 StGB bei der Verjährungsfrist nicht berücksichtigt wird.

Wird der Eintrag des Strafurteils im Bundeszentralregister gelöscht?

Ob und wann der Eintrag im Bundeszentralregister gelöscht wird, ist in § 46 Bundeszentralregistergesetz (BZRG) geregelt und hängt im Wesentlichen von der Höhe der verhängten Strafe ab. Von Amts wegen wird der Eintrag bei besonders schwerem Diebstahl nach 10 Jahren gelöscht, wenn die Strafe unter 3 Monaten betrug. Ansonsten erfolgt eine Löschung nach 15 Jahren.

Fazit: Besonders schwerer Diebstahl ist eine ernst zu nehmende Straftat

Der Vorwurf des besonders schweren Diebstahls ist eine ernste Sache - denn hier droht Gefängnis. Eine Geldstrafe wie beim einfachen Diebstahl kommt beim besonders schweren Diebstahl nach § 243 StGB nicht infrage. Umso wichtiger ist es, dass Sie möglichst schnell und richtig handeln.

Mann installiert Überwachungskamera zum Schutz vor schwerem Diebstahl.

Eine erste Orientierung erhalten Sie durch den SIEGFRIED Online-Check, später wird anwaltlicher Rat notwendig sein. Das gilt vor allem dann, wenn Sie bereits eine Vorladung der Staatsanwaltschaft vorliegen haben. Sie müssen dieser nachkommen. In diesem Fall benötigen Sie dringend einen Anwalt an Ihrer Seite.

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