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Fundunterschlagung

Fundunterschlagung: Welche Strafen drohen nach dem StGB?

27. September 2022 um 11:18

Wir alle haben vermutlich schon einmal eine Sache in der Bahn oder auf der Straße gefunden. Während einige gezielt ein Fundbüro oder die Polizei aufsuchen, um die Sache abzugeben, ist bei anderen die Verlockung groß, wertvolle Gegenstände oder Bargeld einfach zu behalten. Dabei riskieren sie jedoch eine Fundunterschlagung. Diese kann strafrechtliche Konsequenzen haben. Wann es erlaubt ist, gefundene Gegenstände zu behalten und wann Sie sich damit wegen Fundunterschlagung strafbar machen, erfahren Sie in diesem Artikel.

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Junger Mann begeht Fundunterschlagung und versteckt Geldscheine in seiner Anzugtasche.
Das Wichtigste in Kürze
  • Nach dem Strafgesetzbuch (StGB) macht sich jemand wegen Unterschlagung strafbar, wenn er eine fremde Sache selbst behält, nutzt oder an einen Dritten weitergibt - und die Sache dem Eigentümer so wegnimmt.
  • Eine Fundunterschlagung erfüllt in der Regel alle Voraussetzungen einer Unterschlagung.
  • Liegt Unterschlagung vor, droht Betroffenen eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren oder eine Geldstrafe.
  • Der Online-Check bringt den Betroffenen oft Klarheit!

Wann spricht man von Unterschlagung?

Eine Unterschlagung ist in § 246 StGB geregelt. Sie bezeichnet die rechtswidrige Zueignung einer fremden beweglichen Sache an sich selbst oder einen Dritten. Das heißt: Jemand nimmt sich einer fremden Sache an und behandelt sie so, als sei es seine eigene. Auf diese Weise “enteignet” er den eigentlichen Eigentümer.

Dabei muss die Person eine sogenannte Zueignungsabsicht haben. Das bedeutet: Sie muss die Absicht haben, die Sache zumindest vorübergehend zu behalten oder einem Dritten zu geben.

Was heißt das für die Praxis? Stecken Sie eine Sache ein, um sie später einem Fundbüro oder der Polizei zu übergeben, machen Sie sich nicht strafbar. Wenn Sie jedoch eine gefundene Sache

  • verarbeiten, 
  • verwenden,
  • mit einer anderen Sache vermischen oder
  • veräußern (weiterverkaufen),
Opfer von Funduntschlagung spricht mit einem Anwalt über das weitere Vorgehen.

kann eine Fundunterschlagung vorliegen..Dabei müssen nicht unbedingt Sie selbst die Sache behalten, um sich strafbar zu machen. Eine Fundunterschlagung liegt auch vor, wenn Sie die Sache einem Dritten geben. Dafür müssen Sie diesem die Sache nicht persönlich in die Hand reichen. Es reicht aus, wenn Sie es ermöglichen, dass der Dritte auf die Sache zugreifen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Dritte damit einverstanden ist oder sich an der Zueignung beteiligt.

Gut zu wissen

Um eine Unterschlagung und nicht um einen Diebstahl handelt es sich auch dann, wenn einer toten Person Gegenstände abgenommen werden. Davon ausgenommen sind nur Fälle, in denen Verwandte Gegenstände fürsorglich an sich nehmen. Oftmals gehen bei einer Unterschlagung auch andere Delikte, wie etwa Diebstahl oder Untreue, miteinher. Dann tritt die Unterschlagung zurück und Täter machen sich nur wegen des schwereren Delikts strafbar.

Diebstahl und Fundunterschlagung im Vergleich

Diebstahl und Unterschlagung stehen nicht nur im gleichen Abschnitt des Strafgesetzbuches, sie haben auch inhaltlich viele Gemeinsamkeiten und Überschneidungen. Dennoch handelt es sich um verschiedene Straftatbestände mit grundlegenden Unterschieden. Für juristische Laien kann eine Abgrenzung zwischen Diebstahl und Unterschlagung schwierig sein.

Ein Diebstahl liegt vor, wenn eine Person eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache selbst zu behalten oder einem Dritten zu geben. Hier liegt der Unterschied zur Unterschlagung: Bei einem Diebstahl muss die Sache einem Opfer erst einmal weggenommen werden, während bei einer Unterschlagung eine Wegnahme nicht erforderlich ist. Eine Ansichnahme nach Fund ist in der Regel nicht von einem Diebstahl erfasst.

Der Diebstahl wird härter sanktioniert - deshalb gelten hier auch strengere Voraussetzungen. Allerdings nicht im Hinblick auf die Zueignung: Während beim Diebstahl bereits der Wille der Zueignung reicht, muss es bei einer Unterschlagung auch tatsächlich zu einer solchen kommen. Scheitert die Zueignung, ist die Unterschlagung nicht erfüllt, der Diebstahl hingegen unter Umständen und je nach Einzelfall schon.

Ein Beispiel (stark vereinfacht): Nimmt A ein Buch aus dem Bücherregal von B, dann verwirklicht A damit einen Diebstahl. Leiht B dem A allerdings freiwillig das Buch und bringt A es nicht zurück, handelt es sich um eine Unterschlagung.

Wie unterscheiden sich Fundunterschlagung und einfache Unterschlagung?

Die Fundunterschlagung hat keinen eigenen Straftatbestand. Dies bedeutet allerdings nicht, dass sie straflos bleibt. So gilt eine Fundunterschlagung grundsätzlich als Variante der einfachen Unterschlagung aus § 246 StGB.

Die Fundunterschlagung beschreibt dabei spezifische Fallkonstellationen, bei denen jemand einen Gegenstand findet und sich diesen bewusst zueignet.

Fundunterschlagung: Täter stützt sich auf seinen Armen ab, die mit Handschellen fixiert sind.

Entgegen dem geläufigen Spruch „Was man findet, darf man behalten“ besteht bei einem Fund über einem Wert von 10 Euro eine Anzeige- bzw. Meldepflicht. Wer also eine Sache findet und diese in der Absicht einsteckt, diese oder Teile davon (etwa Geld bei einer Geldbörse) zu behalten, macht sich in aller Regel wegen einer (Fund-)Unterschlagung schuldig.

Fundunterschlagung als Teil der Unterschlagung

Für die Fundunterschlagung gelten die gleichen Tatbestandsmerkmale wie bei jeder anderen Form der Unterschlagung. Auch die drohenden Strafen sind identisch. Die einzige Besonderheit ist, dass bei einer Fundunterschlagung die Sache eine sog. Fundsache ist:

  • Fundsachen sind verlorene Gegenstände, die von einer anderen Person entdeckt und in Besitz genommen werden.
  • Ein Gegenstand gilt aus rechtlicher Sicht als verloren, wenn über ihn kein Besitz ausgeübt wird. Das ist nicht der Fall, wenn erkennbar ist, dass das Eigentum an der Sache aufgegeben wurde (z.B. Sperrmüll).

Diese Strafen drohen bei einer Fundunterschlagung

Laut Gesetz drohen für eine Unterschlagung eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren. Das gilt für alle Formen der Unterschlagung, also auch für die Fundunterschlagung.

Ein höheres Strafmaß gibt es nur bei der veruntreuenden Unterschlagung, also dann, wenn der Gegenstand dem Finder vor der Unterschlagung anvertraut wurde. Bei einer solchen veruntreuenden Unterschlagung gilt ein Strafmaß von bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe.

Zum Online-Check

Unterschlagung: Wann ist eine Freiheitsstrafe möglich?

Welche Strafe Sie für eine Fundunterschlagung konkret erhalten, entscheidet ein Gericht immer im Einzelfall. Dabei spielen eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle und beeinflussen die Strafe. Folgende Kriterien sind zum Beispiel relevant:

  • Wert der unterschlagenen Sache
  • Vorstrafen 
  • Schadenswiedergutmachung

Wie eine Fundunterschlagung letztlich bestraft wird, lässt sich also nicht pauschalisieren. Essenziell ist daher ein guter Strafverteidiger, der Sie in Ihrem individuellen Fall berät und Ihnen als Experte während eines Verfahrens zur Seite steht. Er kann das Strafmaß verringern oder sogar die Einstellung des Ermittlungsverfahrens erreichen - so bleibt Ihnen ein Gerichtsprozess wegen Fundunterschlagung erspart.

Sie haben eine Sache verloren und jemand anderes hat diese unterschlagen? Auch in diesem Fall kann Rechtsrat sinnvoll sein. Ein Anwalt kann Ihre Ansprüche und Rechte durchzusetzen und gegebenenfalls einen Schadenersatz geltend machen.

Wenn Sie wegen Fundunterschlagung beschuldigt werden, helfen Ihnen unsere Strafrechtsexperten gerne weiter. Ganz einfach von zu Hause unseren Online-Check ausfüllen und eine schnelle Ersteinschätzung erhalten.

Wann ist ein Strafantrag notwendig?

In der Regel ist Unterschlagung ist ein Offizialdelikt. Das heißt: Behörden ermitteln auch, wenn kein Strafantrag wegen Unterschlagung von Geld oder eines Gegenstands vorliegt. Der Geschädigte muss daher nur Anzeige erstatten.

Anders verhält es sich bei § 247 StGB, also der Unterschlagung zulasten von Angehörigen, Vormündern, Betreuern oder anderen Personen, mit denen der Täter in häuslicher Gemeinschaft lebt. Hier handelt es sich um ein Antragsdelikt. Die geschädigte Person muss also nicht nur eine Anzeige erstatten, sondern auch einen Strafantrag stellen, damit die Unterschlagung verfolgt wird.

Auch bei der Unterschlagung von geringwertigen Sachen unter einem Wert von 50 Euro handelt es sich um ein Antragsdelikt. Auch hier muss die geschädigte Person innerhalb von 3 Monaten ab Kenntnis der Tat einen Strafantrag einreichen, damit die Behörden die Ermittlungen aufnehmen (§ 248a StGB). Ist die Strafverfolgung in besonderem öffentlichem Interesse, ist hingegen auch eine Unterschlagung von Gegenständen unter 50 Euro Wert ein Offizialdelikt und wird daher von den Behörden ohne Strafantrag verfolgt.

Offizialdelikte
Antragsdelikte
Folge

Ja

Antragsdelikte

Ja

Folge

Anzeige

Nein

Antragsdelikte

Ja

Folge

Strafantrag

Steht eine Unterschlagung im Führungszeugnis?

Grundsätzlich werden nur Freiheitsstrafen ab 3 Monaten oder Geldstrafen von mehr als 90 Tagessätzen im Führungszeugnis aufgeführt. Ob eine Unterschlagung im Führungszeugnis steht, hängt also davon ab, wie hoch das Strafmaß ausfällt.

Insbesondere die Höhe des Sachwertes der unterschlagenen Sache und die Anzahl der Vorstrafen entscheiden darüber, wie hoch die Strafe ausfällt und machen damit auch einen Vermerk im Führungszeugnis wahrscheinlicher.

Fundunterschlagung: Ist schon der Versuch strafbar?

Auch die versuchte Unterschlagung ist strafbar, so steht es in Absatz 3 des § 246 StGB. Zwar kann der Versuch milder bestraft werden als die vollendete Tat, eine Strafmilderung ist aber nicht garantiert und wird vom Gericht entschieden (§§ 23, 49 StGB). Im Zweifel droht also selbst bei einem Versuch der Unterschlagung die gleiche Strafe wie bei einer vollendeten Unterschlagung.

Nicht strafbar macht sich hingegen, wer diese fahrlässig begeht. Haben Sie etwa vergessen, dass Ihnen eine Sache nur ausgeliehen wurde und diese deshalb verkauft, so können Sie straflos bleiben. Auch bei einem Rücktritt vom Versuch entfällt die Strafe in der Regel: Hatten Sie also anfangs wohl die Absicht, sich ein gefundenes Portemonnaie zu behaltenzueignen, haben Sie die Sachedies dem Eigentümer dann aber doch zurückgegeben, so entfällt Ihre Strafe wegen Versuchs.

Gut zu wissen

Wann ein Versuch vorliegt, ist umstritten. Meist wird davon ausgegangen, dass der Versuch beim Ansetzen an die Zueignungshandlung beginnt, also dann, wenn der Täter versucht, die Sache bei sich zu behalten, dies aber scheitert.

Wann verjährt eine Fundunterschlagung?

Die Unterschlagung verjährt in der Regel nach 3 Jahren, so auch die Fundunterschlagung. Anders sieht es nur bei der veruntreuenden Unterschlagung aus, diese verjährt nach 5 Jahren.

Die Verjährungsfrist beginnt zu laufen, wenn die Tat beendet ist, also eine konkrete Gefahr für die Enteignung der geschädigten Person besteht. Nach dieser Frist ist es nicht mehr möglich, den Finder zur Rechenschaft zu ziehen. Ermittlungen müssen dann eingestellt werden und Gerichte sind verpflichtet, das Zwischen- oder Hauptverfahren zu beenden.

Anders kann es hingegen bei zivilrechtlichen Ansprüchen aussehen: Gegen den Finder können hier noch Herausgabeansprüche (§ 985 BGB) oder Schadenersatzansprüche bestehen.

Fazit: Ruhe bewahren und strafrechtlichen Rat nach Fundunterschlagung suchen

Wer sich oder einem Dritten eine Fundsache rechtswidrig zueignet oder dies versucht, begeht in der Regel eine Fundunterschlagung. Die Strafen bei einer Unterschlagung sind nicht zu unterschätzen. Im Zweifel drohen mehrere Jahre Freiheitsstrafe. Wesentlich häufiger kommt es allerdings zu einer Geldstrafe, die mehrere hunderte Euro umfassen kann.

Gerade wenn Beschuldigte bereits auf Bewährung sind oder Vorstrafen haben, kann eine hohe Strafe drohen. Daher gilt es, sich frühzeitig einen erfahrenen und auf das Strafrecht spezialisierten Anwalt zu suchen, um Fehler zu vermeiden.

Wenn bereits eine Ladung der Ermittlungsbehörden vorliegt oder eine Hausdurchsuchung ansteht, sollten Betroffene Ruhe bewahren, die Aussage verweigern und schnellstmöglich einen Anwalt oder eine Anwältin einschalten. Aber auch die Gegenseite kann rechtliche Hilfe in Anspruch nehmen und eigene Rechte durchsetzen lassen.

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