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Ladendiebstahl

Ladendiebstahl: Diese Strafen drohen

26. September 2022 um 07:05

Ladendiebstahl ist in Deutschland ein weit verbreitetes Phänomen, das den Einzelhandel viele Millionen Euro pro Jahr kostet. Doch was hat es mit dem Delikt genau auf sich? Wann ist von einem Ladendiebstahl die Rede und wie sehen die Konsequenzen aus? Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Eine Kundin steckt sich eine Flasche Wein in die Tasche und begeht somit Ladendiebstahl.
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Ladendiebstahl gilt als Straftat.
  • Es wird zwischen dem einfachen und dem schweren Ladendiebstahl unterschieden.
  • Auch der Versuch des Ladendiebstahls kann bestraft werden.
  • Die Strafen für Ladendiebstahl reichen von einer Geldstrafe bis hin zu  10 Jahren Freiheitsstrafe.
  • Mit welchen Konsequenzen Sie als Beschuldigter eines Ladendiebstahls zu rechnen haben, erfahren Sie im kostenlosen Online-Check.

Was ist ein Ladendiebstahl?

Bei einem Ladendiebstahl handelt es sich um das Entwenden von Waren aller Art aus Läden. Der Begriff „Ladendiebstahl“ steht so nicht im Gesetz. Es handelt sich um einen kriminologischen Begriff, der den Diebstahl, der sich innerhalb eines Geschäfts abspielt, bezeichnet. Zum Tragen kommt dabei § 242 StGB (Deutsches Strafgesetzbuch). Darin heißt es:

„Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Es muss also eine bewegliche Sache im Spiel sein, die entwendet wird. Dabei kann es sich um jede Art von Gegenständen oder auch um Tiere handeln. Bereits der Vorsatz einen Ladendiebstahl zu begehen reicht aus, um für diesen belangt zu werden. Das gilt selbst dann, wenn die Ware letzten Endes doch nicht entwendet wurde. Auch wenn er seine Meinung ändert, bevor er den Laden verlässt, und die Ware wieder ins Regal stellt, ist die Straftat bereits erfolgt und er kann dafür belangt werden. Eine Voraussetzung für einen Ladendiebstahl ist auch, dass die Handlung vorsätzlich und mit der Absicht, den Gegenstand in sein Eigentum zu bringen, ausgeführt wird.

Einfacher Ladendiebstahl

Einen einfachen Ladendiebstahl bestraft das Gesetz – abhängig von mehreren Faktoren – mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von maximal fünf Jahren. Entscheidend sind unter anderem:

  • Alter
  • Vorstrafenregister
  • Genaue Tatumstände
  • Einsicht / reuige Einstellung
  • Ehrliches Geständnis
  • Wiedergutmachung
Das Alarmsystem, um Ladendiebstahl anzuzeigen, ist im Vordergrund sichtbar.

Eine Strafanzeige ist dabei keine Pflicht. Insbesondere ein Ladendiebstahl unter 50 Euro  wird  nur auf Antrag verfolgt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Sachen im Wert von unter 1, 10, 15, 30 oder 50 Euro handelt. Eine Ausnahme kann es geben, wenn die zuständige Behörde ein besonderes öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung hat.

Schwerer Ladendiebstahl

§ 243 StGB regelt den schweren Fall des Diebstahls im Allgemeinen. Dazu muss mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  • Einbruch in ein Gebäude zur Ausführung der Tat
  • Diebstahl von besonders gesicherten Gegenständen (z. B. Safe oder abgeschlossener Schrank)
  • Gewerbsmäßiger Einbruch
  • Diebstahl von religiös genutzten Gegenständen aus einer Kirche
  • Diebstahl eines bedeutungsvollen Gegenstandes für Wissenschaft, Geschichte, Kunst oder die technische Entwicklung (Museum, Bibliothek)
  • Ausnutzung der Hilflosigkeit einer anderen Person oder einer Gefahr
  • Diebstahl von Waffen oder von bestimmtem Sprengstoff

Wenn es sich um eine geringwertige Sache handelt, kommt das Strafmaß des schweren Diebstahls allerdings nicht zum Tragen.

Zum Online-Check

Diese Strafen drohen nach Ladendiebstahl

Das Strafmaß bewegt sich beim einfachen Ladendiebstahl von einer Geldstrafe bis hin zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Einen schweren Ladendiebstahl bestraft das Gesetz mit einer Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und zehn Jahren. Grundsätzlich gilt, dass Jugendliche, also Personen zwischen 14 und 18 Jahren, von einem milderen Strafmaß profitieren. Es geht da weniger um die Strafe als vielmehr um die Erziehung und den Lernprozess, wie es sich anfühlt, etwas Falsches getan zu haben und dafür bestraft zu werden.

Art
Umstände
Mögliches Strafmaß

Einfacher Ladendiebstahl

Umstände

Kleiner Ladendiebstahl einer Sache mit einem Wert von unter 50 Euro, Ersttat

Mögliches Strafmaß

Geldstrafe zwischen 10 und 30 Tagessätzen

Einfacher Ladendiebstahl

Umstände

Diebstahl einer hochwertigen Sache (Wert über 50 Euro), Wiederholungstat

Mögliches Strafmaß

Höhere Geldstrafe, max. 5 Jahre Freiheitsstrafe

Einfacher Ladendiebstahl

Umstände

Jugendliche

Mögliches Strafmaß

Verfahren wird allenfalls eingestellt oder es kommen Sozialstunden zum Zug. Bei Wiederholungstätern Jugendarrest oder Jugendstrafe möglich

Schwerer Ladendiebstahl

Umstände

Eine Sache, die mehr als 50 Euro Wert hat, wird unter verschärfenden Umständen gestohlen

Mögliches Strafmaß

Freiheitsstrafe von mind. 3 Monaten und max. 10 Jahren

Ladendiebstahl mit Waffen / Bandendiebstahl / Wohnungseinbruchsdiebstahl

Umstände

Diebstahl mit Waffenbesitz, Mitglied einer Diebstahlbande oder Wohnungseinbruch

Mögliches Strafmaß

Freiheitsstrafe von mind. 6 Monaten und max. 10 Jahren

Gut zu wissen:
Geldstrafen für einen Ladendiebstahl, die nicht höher als 90 Tagessätze betragen, sowie Freiheitsstrafen unter drei Monaten führen zu keinem Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis.

Versuchter Ladendiebstahl: Ist das strafbar?

Die Antwort ist ganz klar: Ja! Ladendiebstahl liegt nicht erst nach dem Entwenden der Sache und dem Verlassen des Ladens  vor. . Er beginnt in dem Moment, in dem beabsichtigt wird, eine Sache beispielsweise in der Jackentasche  verschwinden zu lassen. Auch wenn sich gleich im Anschluss dazu entschieden wird, die Sache wieder zurückzulegen – die Tat ist vollbracht und die Person ist somit strafbar. Sollte also der Ladendetektiv die Tat sehen  oder die Überwachungskamera filmen , kann eine Strafanzeige die Folge sein.  

Gemäß § 23 StGB gilt Folgendes:

„Der Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar, der Versuch eines Vergehens nur dann, wenn das Gesetz es ausdrücklich bestimmt. Der Versuch kann milder bestraft werden als die vollendete Tat.“

Der Ladendiebstahl gilt als Vergehen.  § 242 Absatz 2 StGB gibt dabei vor, dass auch der bloße Versuch dieses Vergehens strafbar ist.

Dazu zwei Beispiele:

  1. Eine Frau schlendert durch den Drogeriemarkt, greift nach einem Lippenstift und kurz bevor sie diesen in ihre Jacke steckt, legt sie ihn wieder zurück ins Regal. Der Hausdetektiv hat sie dabei beobachtet. Die Straftat ist gemäß Gesetz vollendet.
  2. Ein Mann geht im Baumarkt gezielt zur Gartenmaterial-Abteilung, greift nach einer Gartenschere und steckt diese in die Innentasche seines Mantels. Als er an der Kasse in der Schlange steht, ändert er seine Meinung, läuft zurück zur Gartenmaterial-Abteilung und legt die Gartenschere zurück. Allerdings hat die Überwachungskamera den Vorgang aufgezeichnet. Es droht eine Strafanzeige.

Verjährung: So lange kann Ladendiebstahl belangt werden

Straftaten unterliegen laut deutschem Recht in den meisten Fällen einer Verjährung. Dabei unterscheidet das Gesetz  zwischen Verfolgungs- und Vollstreckungsverjährung. Verfolgungsverjährung bedeutet, dass nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne eine Tat nicht mehr behördlich verfolgt werden kann. Hinter der Vollstreckungsverjährung steckt die Tatsache, dass eine bereits rechtskräftig verhängte Strafe nach einer gewissen Zeitspanne nicht mehr vollstreckt werden kann. Für die Berechnung dieser Fristen ist das Höchstmaß einer Strafe von Bedeutung. Gemäß § 78 Absatz 3 Nummer 4 StGB beträgt die Frist zur Verfolgungsverjährung beim Ladendiebstahl also fünf Jahre. Ausschlaggebend ist dabei der Zeitpunkt, in dem die Tat beendet wurde.

Fazit: Ladendiebstahl mit empfindlichen Strafen

Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Abhängig von den Umständen fällt die Strafe unterschiedlich aus. Dafür ausschlaggebend ist der Wert der Sache sowie die Vorgehensweise. Ein Taschenmesser, das zum Beispiel unbewusst mitgeführt wird, kann im Falle eines Ladendiebstahls schwerwiegende Folgen haben, weil dieser dann als bewaffneter Diebstahl gilt. Das Strafmaß fällt dann höher aus. Bei einer Wiederholungstat muss man ebenfalls mit härteren Strafen rechnen.

Um im Falle einer Anzeige für Ladendiebstahl rechtlich keine Fehler zu machen, sollten sich Betroffene einen Experten an ihre Seite holen. Dieser weiß, Situationen einzuschätzen und kann im Idealfall ein milderes Strafmaß erreichen.

Ein Kunde begeht Ladendiebstahl, indem er eine Packung Schokolade in seiner Jacke verschwinden lässt.
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