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Vorsätzliche Körperverletzung

Vorsätzliche Körperverletzung: Definition, Strafmaß & anwaltliche Unterstützung

10. November 2022 um 12:28

Diskussionen zwischen Freunden, Familienangehörigen, Bekannten oder Unbekannten können zu gewalttätigen Ausschreitungen führen. Misshandelt einer der Beteiligten die andere Person mit Absicht körperlich oder schädigt ihre Gesundheit, so spricht man von vorsätzlicher Körperverletzung. Das Strafgesetzbuch (StGB) unterscheidet zwischen den Graden der Körperverletzung: Der Vorsatz der Körperverletzung zählt als Tatmerkmal. Wann genau es sich um vorsätzliche Körperverletzung handelt und welche Strafen drohen, zeigt dieser Artikel.

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Richterhammer symbolisiert vorsätzliche Körperverletzung.
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer willentlich und wissentlich eine andere Person körperlich misshandelt oder ihre Gesundheit schädigt, begeht vorsätzliche Körperverletzung.
  • Die unterschiedlichen Grade der Körperverletzung werden in § 223 bis § 229 StGB gesetzlich festgehalten.
  • (Vorsätzliche) Körperverletzung ist ein Antragsdelikt. Nur wenn die geschädigte Person den Verursacher anzeigt, folgt ein Strafverfahren.
  • Welche Möglichkeiten Sie bei einer Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung haben, erfahren Sie im SIEGFRIED Online-Check.

Was wird unter vorsätzlicher Körperverletzung verstanden?

Ob Körperverletzung vorsätzlich und somit willentlich sowie wissentlich begangen wurde oder nicht, entscheidet im Zweifelsfall das Gericht. Dieses stützt sich neben den individuellen Tatmerkmalen auf die Definitionen des StGB.

Definition: Vorsätzliche Körperverletzung laut Strafgesetzbuch (StGB)

Körperverletzung ist in § 223 bis § 231 StGB gesetzlich geregelt, wobei § 223 StGB den Grad der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung beschreibt.

Laut § 223 StGB handelt es sich um vorsätzliche einfache Körperverletzung, sobald eine Person körperlich misshandelt oder ihre Gesundheit geschädigt wird.

Zwei Männer prügeln auf einen anderen Mann ein und begehen vorsätzliche Körperverletzung.

Definition: Vorsätzliche Körperverletzung

Das Gegenteil eines Vorsatzes ist die Fahrlässigkeit. Ist jemand nicht achtsam genug und verletzt dadurch eine andere Person, handelt es sich um fahrlässige Körperverletzung. Der Vorsatz einer Körperverletzung hingegen ist dann gegeben, wenn jemand mit Wissen und Wollen einer anderen Person Schaden zufügt. Das erklärt auch, warum bereits der Versuch der vorsätzlichen Körperverletzung mit einer Strafe geahndet wird. Vorsätzliche bzw. versuchte fahrlässige Körperverletzung in diesem Sinne ist rechtlich gesehen nicht möglich. Bei fahrlässiger Körperverletzung handelt es sich nie um einen beabsichtigten Versuch, sondern um unachtsames Handeln. Betroffen von vorsätzlicher Körperverletzung? Prüfen Sie Ihre Möglichkeiten im Online-Check von SIEGFRIED.

Zum Strafrechts-Check
Gut zu wissen

Die versuchte vorsätzliche Körperverletzung wird in der Regel mit einer geringeren Strafe belegt als die vollendete Tat. Zudem zählt die versuchte Körperverletzung auch nur dann als solche, wenn der Tatansatz eindeutig erkennbar ist.

Definition: Einfache Körperverletzung

Bei der einfachen Körperverletzung handelt es sich um den Grundtatbestand des Strafrechts. Alle weiteren Formen der Körperverletzung bauen auf der einfachen Körperverletzung auf und umfassen weitere Eigenschaften wie den Einsatz einer Waffe oder eines gefährlichen Gegenstandes (bei gefährlicher Körperverletzung laut § 224 StGB).

Gut zu wissen

Psychische Misshandlung zählt nur dann als vorsätzliche Körperverletzung, wenn sie Auswirkungen auf die physische Gesundheit des Geschädigten hat (wie z.B. Schlaflosigkeit, Schock etc.).

Formen der vorsätzlichen Körperverletzung

Basierend auf Tatmerkmalen und dem Tathergang lässt sich Körperverletzung in unterschiedliche Formen und ihr jeweiliges Strafmaß einteilen.

Handelt es sich um vorsätzliche Körperverletzung, so wird zudem zwischen den verschiedenen Graden des Vorsatzes unterschieden.

Vorsätzliche Körperverletzung: Eine Gruppe von vier Personen diskutiert heftig in einer Kneipe.

Grade des Vorsatzes bei vorsätzlicher Körperverletzung

Das deutsche Recht unterscheidet zwischen drei verschiedenen Graden des Vorsatzes: 

Grad des Vorsatzes
Definition

Absicht

Definition

Der Beschuldigte hat die Tat zielgerichtet und mit Absicht ausgeführt. Er wollte den Geschädigten verletzen.

Direkter Vorsatz

Definition

Der Beschuldigte weiß über die möglichen Konsequenzen seines Handelns Bescheid. Er hat jedoch nicht den Ausgang der Tat im Blick.

Bedingter Vorsatz

Definition

Der Beschuldigte hat den Ausgang seiner Tathandlung für möglich gehalten oder ihn zumindest wissend in Kauf genommen.

Wie verläuft eine Strafverfolgung bei vorsätzlicher Körperverletzung?

Bei vorsätzlicher Körperverletzung kommt es nur dann zum Strafprozess, wenn der Geschädigte oder der Vormund des Geschädigten Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft erhebt nicht automatisch Anzeige. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Antragsdelikt – ohne Strafantrag kein Delikt. 

Das sollten Sie nach einer Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung tun

Wer eine Anzeige wegen (versuchter) vorsätzlicher Körperverletzung erhält, sollte sich rechtlich beraten lassen. In vielen Fällen wird das Strafverfahren eingestellt, wenn der Beschuldigte sich beim Geschädigten entschuldigt. Handelt es sich um gegenseitige Körperverletzung, so ist Notwehr häufig ein gutes Argument. Zudem raten Experten davon ab, bei der Polizei auszusagen, ohne davor einen Anwalt zu kontaktieren. Dieser evaluiert die Situation individuell und berät oder verteidigt die betroffene Person im Strafverfahren.

Mit diesem Strafmaß ist bei vorsätzlicher Körperverletzung zu rechnen

Gemäß § 223 Abs. 1 StGB muss der Beschuldigte bei vorsätzlicher einfacher Körperverletzung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Auch der Versuch der vorsätzlichen Körperverletzung ist strafbar. Um welches Strafmaß es sich genau handelt, hängt jedoch vom Grad der Körperverletzung ab und liegt im individuellen Ermessen der zuständigen Gerichte. Folgende Strafen sind möglich:

Grad der Körperverletzung
Beispiel
Strafe

Vorsätzliche einfache Körperverletzung gemäß § 223 StGB

Beispiel

Ohrfeige, Kratzer etc.

Strafe

Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe

Vorsätzliche gefährliche Körperverletzung gemäß § 224 StGB

Beispiel

Tritt gegen den Kopf, Messerstich, etc.

Strafe

Freiheitsstrafe zwischen 6 Monaten und 10 Jahren

Vorsätzliche schwere Körperverletzung gemäß § 226 StGB

Beispiel

Verlust eines Körpergliedes, Verlust des Sehvermögens, Lähmung etc.

Strafe

Freiheitsstrafe zwischen 1 und 10 Jahren; bei direktem Vorsatz mindestens 3 Jahre Freiheitsstrafe

Körperverletzung mit Todesfolge gemäß § 227 StGB

Beispiel

Der Beschuldigte verpasst dem Geschädigten einen nicht lebensbedrohlichen Schlag. Der Geschädigte fällt zu Boden, schlägt sich den Kopf an der Bordsteinkante an und verstirbt.

Strafe

Freiheitsstrafe zwischen 3 und 15 Jahren; in minder schweren Fällen zwischen 1 und 10 Jahren

Gut zu wissen

Nach § 78 StGB liegt die Verjährungsfrist für Körperverletzung bei 5 Jahren. Der Geschädigte kann demnach bis maximal 5 Jahre nach der Tat einen Strafantrag einbringen. Danach kann der Beschuldigte nicht mehr für Körperverletzung geahndet werden.

Fazit: Bei vorsätzlicher Körperverletzung richtig beraten lassen

Überkommt einen die Wut oder handelt man aus dem Affekt heraus, kann das Resultat vorsätzliche Körperverletzung sein. Ob die Tat mit voller Absicht oder nur aus direktem oder bedingtem Vorsatz begangen wurde, entscheidet sich häufig erst im Nachhinein. Erstattet der Geschädigte Anzeige, muss der Beschuldigte mit einem Strafverfahren rechnen. Wichtig ist, sich so früh wie möglich an einen Anwalt zu wenden und rechtlich beraten zu lassen. Mit ein bisschen Glück reicht eine Entschuldigung aus, um das Strafverfahren fallen zu lassen. Aber auch wenn nicht, sollten sich Betroffene stets professionell verteidigen lassen. Denn je nach Grad der Körperverletzung stehen oft mehrjährige Freiheitsstrafen auf dem Spiel.

Über den Online-Check von SIEGFRIED können Sie Ihre individuelle Sachlage schnell und unverbindlich prüfen lassen und, wenn nötig, gemeinsam mit einem Experten für Strafrecht weitere Schritte einleiten.

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