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Abfindung bei Kündigung

Abfindung bei Kündigung: Was steht Arbeitnehmern zu?

8. März 2022 um 19:11

Eine Kündigung gehört zu den schwierigsten Situationen im Arbeitsleben. Eine Abfindung kann dabei helfen, die finanzielle Durststrecke bis zum nächsten Job zu überbrücken. Es gibt allerdings keinen generellen Anspruch auf Abfindung. Dennoch wird in vielen Fällen eine Abfindung gezahlt. Ob dieser Anspruch besteht und welche Möglichkeiten es gibt, eine möglichst hohe Abfindung zu erzielen, zeigen wir in diesem Artikel.

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Mann reicht einem weiteren Mann einen Abfindungs-Scheck.
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer eine Kündigung erhält, hat unter Umständen Anspruch auf eine Abfindung.
  • Ob Anspruch auf eine Abfindung besteht, hängt unter anderem von der Art der Kündigung ab.
  • Die Höhe der Abfindungszahlung berechnet sich jeweils individuell, etwa an der Dauer der Firmenzugehörigkeit.
  • Ob und wieviel Abfindung gefordert werden kann, können Arbeitnehmer über einen kostenlosen Online-Check prüfen.

    Fragen und Antworten zur Abfindung bei Kündigung

    Im Fall einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses stellen sich zahlreiche Fragen:

    • Wie berechnet sich die Abfindung?
    • Hat das Alter Einfluss auf die Abfindung?
    • Welche Rolle spielt die Laufzeit des Arbeitsverhältnisses?

    Wie berechnet sich die Abfindung?

    Eine generelle Berechnungsformel gibt es nicht. Als Faustregel gilt ein halbes bis ein ganzes Brutto-Monatsentgelt pro Beschäftigungsjahr im Unternehmen.

    Ersteres entspricht der gesetzlich geregelten Abfindung bei der betriebsbedingten Kündigung. Mit der richtigen Strategie lassen sich allerdings wesentlich höhere Abfindungen erzielen.

    Zwei Männer sitzen vor einem Taschenrechner und diskutieren über eine Abfindung.
    Anspruch auf Abfindung prüfen

    Hat das Alter Einfluss auf die Höhe der Abfindung?

    Nein. Das Alter spielt für die Abfindungshöhe keine Rolle. Das heißt, im Fall einer Kündigung bekommt beispielsweise ein 35-Jähriger dieselbe Abfindung wie etwa ein Arbeitnehmer mit 58 Jahren.

    Welche Rolle spielt die Laufzeit des Arbeitsverhältnisses?

    Es macht es einen großen Unterschied, ob man die Abfindung nach 10 Jahren oder nach 20 Jahren Beschäftigungsdauer erhält, denn zur Berechnung der Abfindung wird der Bruttolohn mit der Beschäftigungsdauer multipliziert. Je länger man im Unternehmen beschäftigt war, desto höher die Abfindung.

    Hat die Art der Kündigung Einfluss auf die Höhe der Abfindung?

    Grundsätzlich kann die Art der Kündigung die Abfindungshöhe beeinflussen. Sofort nach Erhalt der Kündigung sollten sich Betroffene rechtlich beraten zu lassen. Wichtig dabei: Zuvor weder die Kündigung ausdrücklich akzeptieren, noch Vergleiche oder Verzichtserklärungen unterzeichnen!

    Abfindung bei Aufhebungsvertrag – Besonderheiten

    Obwohl es bei einer Kündigung keinen generellen Anspruch des Arbeitnehmers auf Abfindung gibt, wird dennoch oft ein Aufhebungsvertrag vorgeschlagen, um das Arbeitsverhältnis zu beenden. Als Anreiz dafür wird eine Abfindung geboten. Der Arbeitgeber zahlt also für die Zustimmung zur Kündigung und den Verzicht auf die Kündigungsschutzklage.

    Der Grund: Für den Arbeitgeber ist jede Kündigung mit der Gefahr eines langwierigen und kostspieligen Gerichtsverfahrens verbunden. Denn Voraussetzung jeder rechtswirksamen Kündigung ist ein rechtlich zulässiger Kündigungsgrund. Die Kündigungsschutzklage ermöglicht die gerichtliche Überprüfung dieser Zulässigkeit.

    Das Risiko für den Arbeitgeber ist groß: Verliert er, muss er das Entgelt nachzahlen, auch wenn der Arbeitnehmer nicht mehr gearbeitet hat. Zusätzlich kann das Gericht eine Abfindung festsetzen. Genau hier liegt die Chance für den Arbeitnehmer, eine maximale Abfindung zu erzielen: Denn je zweifelhafter der Kündigungsgrund, umso besser sind seine Chancen vor Gericht und umso stärker ist seine Verhandlungsposition gegenüber dem Arbeitgeber. In solchen Fällen kann ein Ergebnis erzielt werden, das weit über der gesetzlichen Abfindung liegt.

    Wichtige Hinweise:
    • Einigt man sich im Rahmen eines Abfindungsvergleichs auf eine verkürzte Kündigungsfrist, beginnt die Zahlung des Arbeitslosengeldes erst mit dem Ende der gesetzlichen Kündigungsfrist.
    • Bevor man eine Abfindung akzeptiert und vor Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrages rechtliche Beratung in Anspruch nehmen. Dadurch wird vermieden, dass auf Rechte verzichtet wird. Ein Anwalt kann außerdem die Chancen besser einschätzen und dadurch ein besseres Verhandlungsergebnis erzielen.

    Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung

    Das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) schützt vor ungerechtfertigter Kündigung. Ein zulässiger Grund für eine Kündigung ist etwa, wenn sie betriebsbedingt erfolgt.

    Erhebt der Arbeitnehmer bis zum Ablauf der Frist keine Klage dagegen, wird die Kündigung wirksam und er hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine Abfindung. Diese gesetzliche Abfindung (§ 1a KSchG) dient als Ausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes und beträgt ein halbes Bruttomonatsentgelt pro Beschäftigungsjahr.

    Der Arbeitnehmer kann jedoch gegen eine behauptete betriebsbedingte Kündigung binnen drei Wochen Kündigungsschutzklage erheben. Bei Klageverlust droht dem Arbeitgeber die Zahlung einer vom Gericht festzusetzenden Auflösungsabfindung.

    Darüber hinaus hat der Arbeitnehmer auch in diesem Fall Anspruch auf Entgeltfortzahlung seit dem Zeitpunkt der Kündigung.

    Abfindung bei Kündigung wegen Krankheit

    Eine Kündigung ist grundsätzlich auch wegen Krankheit möglich. Den Betroffenen stehen aber auch bei der krankheitsbedingten Kündigung dieselben Möglichkeiten zu, eine Abfindung zu erwirken, wie in allen anderen Fällen.

    Paar sitzt vor Laptop und berechnet die Abfindung.

    Abgaben und Abfindung – ist die Abfindung steuerfrei?

    Was gibt es steuerlich bei einer Abfindung zu beachten?

    Dass Abfindungen steuerfrei sind, ist ein weit verbreiteter Irrtum: Abfindungen müssen daher in der Steuererklärung angegeben werden.

    Abfindungen stellen außerordentliche Einkünfte dar und sind nicht sozialabgabepflichtig. Lohnsteuerpflichtig sind sie jedoch in voller Höhe – aber es gibt eine Erleichterung: bei der Fünftelregelung wird die Abfindung so behandelt, als wäre sie über 5 Jahre verteilt ausbezahlt worden. Dadurch reduziert sich vor allem für niedrige Einkommen die Steuerbelastung.

    Sonderfall Änderungskündigung

    Anders verhält es sich bei der sogenannten Änderungskündigung. Dabei wird zwar auch der Arbeitsvertrag gekündigt, der Arbeitnehmer verbleibt jedoch zu geänderten Bedingungen im Unternehmen. Um eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen auszugleichen, besteht auch hier die Möglichkeit einer Abfindung bzw Sonderzahlung. Aber Achtung: Diese Sonderzahlung ist voll beitragspflichtig, das heißt auch Sozialversicherungsbeiträge werden fällig, die steuerschonende Fünftelregelung ist nicht anzuwenden.

    Fazit: Prüfung auf Abfindung lohnt sich

    In der Regel besteht zwar kein Anspruch auf Abfertigung, viele Arbeitgeber zahlen aber trotzdem, um teure Gerichtsverfahren zu vermeiden. Arbeitnehmer sollten diese Chancen nutzen, um eine möglichst hohe Abfertigung zu erhalten.

    In jedem Fall sollte bei einer Kündigung juristische Beratung eingeholt werden, um Fehler zu vermeiden und ein optimales Ergebnis zu erzielen.

    Über unseren kostenlosen Online-Check erhalten Sie schnell und kostenlos eine Ersteinschätzung zu Ihrem möglichen Anspruch auf Abfindung - und können im Anschluss die notwendigen Schritte gehen.

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