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Kündigung widersprechen

Kündigung widersprechen: So gehen unrechtmäßig gekündigte Arbeitnehmer vor

4. April 2022 um 12:55

Eine Kündigung trifft Angestellte oft unvorbereitet. Bleibt die Suche nach einem Anschlussjob erfolglos, können auch finanzielle Nachteile die Folge sein. Allerdings müssen Angestellte eine Kündigung nicht hinnehmen. Wurde ihnen unrechtmäßig gekündigt, können sie der Kündigung widersprechen und ihren Job behalten. Was dabei zu beachten ist, zeigt der folgende Artikel.

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Symbolische Darstellung: Stempel mit der Aufschrift "Veto".
Das Wichtigste in Kürze
  • Arbeitgeber und Arbeitnehmende dürfen ihr Arbeitsverhältnis kündigen – allerdings müssen sie dabei formelle und inhaltliche Vorgaben einhalten.
  • Erhalten Angestellte ein unzulässiges Kündigungsschreiben, dürfen sie der Kündigung widersprechen und können damit erwirken, dass der Arbeitgeber sie zurückzieht.
  • Damit ein Widerspruch bei Kündigung Aussicht auf Erfolg hat, muss er unter Einhaltung der Drei-Wochen-Frist erfolgen.
  • Mit Hilfe eines kostenlosen Online-Checks können Sie die Rechtmäßigkeit Ihrer Kündigung prüfen.

    Welche gesetzlichen Vorschriften sind relevant für die Kündigung?

    Ausschlaggebend für die Zulässigkeit der Kündigung ist die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Je nach Art der Kündigung und abhängig von der Betriebsgröße greifen unterschiedliche Gesetze:

    • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): Regelt formelle Anforderungen an eine Kündigung
    • Kündigungsschutzgesetz (KSchG): Greift bei Betrieben mit mehr als zehn Mitarbeitenden und wenn die zu kündigende Person seit mehr als sechs Monaten im Unternehmen arbeitet
    • Mutterschutzgesetz (MuSchG), Sozialgesetzbuch (SGB): Regeln die Kündigung besonders schützenswerter Personen wie Schwangere oder Schwerbehinderte

    Das BGB schreibt vor, dass die Kündigung an bestimmte Fristen geknüpft ist und der Schriftform bedarf. Laut KSchG muss die Kündigung durch den Arbeitgeber begründet sein. Und spezielle Gesetze wie das MuSchG schützen Angestellte, die per Gesetz nicht gekündigt werden dürfen.

    Eine Kündigung ist immer dann unwirksam, wenn die geltenden Vorschriften nicht eingehalten wurden und sie sowohl inhaltliche als auch formelle Fehler aufweist.

    Inhaltliche Fehler
    Formelle Fehler

    Kündigungsschutz nicht beachtet

    Formelle Fehler

    mündliche Kündigung

    Betriebsrat wurde nicht angehört

    Formelle Fehler

    falsche Angabe der Kündigungsfrist

    fehlende Abmahnung bei verhaltensbedingter Kündigung

    Formelle Fehler

    fehlende Unterschrift

    fehlerhafte Sozialauswahl bei betriebsbedingter Kündigung

    Formelle Fehler

    Unterschrift einer nicht berechtigten Person

    fehlender wichtiger Grund bei fristloser Kündigung

    Formelle Fehler

    Zugang der Kündigung nicht nachweisbar

    Es gibt daneben noch weitere Fehler, die eine Kündigung unzulässig machen. Für Gekündigte lohnt sich eine Überprüfung deshalb in jedem Fall.

    Jetzt Kündigung prüfen
    Widerspruch durch Betriebsrat gegen Kündigung

    Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, muss dieser vor jeder Kündigung angehört werden. Zwar kann er eine Kündigung nicht verhindern. Allerdings verbessert ein Widerspruch des Betriebsrats die Position von gekündigten Mitarbeitenden. Außerdem müssen Gekündigte weiterbeschäftigt werden – bei einem gerichtlichen Verfahren sogar bis zum Ende des Prozesses.

    Wie können Arbeitnehmer der Kündigung widersprechen?

    Bestehen Zweifel an der Zulässigkeit der Kündigung, sollten Angestellte dagegen vorgehen. Ansonsten riskieren sie, dass die Kündigung trotz Mängeln rechtswirksam wird und ihr Arbeitsverhältnis unwiderruflich endet.

    Zwei gegenübersitzende Personen diskutieren über eine Kündigung.

    Wie lange kann man gegen eine Kündigung Widerspruch einlegen?

    Um sich wirksam gegen eine unrechtmäßige Kündigung zu wehren, müssen Betroffene unbedingt zügig handeln: Für einen Widerspruch bleiben ihnen nur drei Wochen Zeit. Diese Frist gilt auch, wenn Arbeitnehmende bei fristloser Kündigung widersprechen wollen, und für das Einreichen einer Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht.

    Die wichtigsten Schritte zum Widerspruch bei Kündigung

    Um keine Zeit zu verlieren, sollten Gekündigte nach dem ersten Kündigungsschock einen kühlen Kopf bewahren und die folgenden Punkte beachten:

    • Kündigung auf formelle und inhaltliche Fehler prüfen
    • Bei Zweifeln an der Rechtmäßigkeit der Kündigung Widerspruch einlegen
    • Widerspruch unbedingt schriftlich einlegen und Frist beachten

    Der Widerspruch bei Kündigung ist eine gute Möglichkeit, die Kündigung außergerichtlich abzuwehren oder eine außergerichtliche Einigung mit dem Arbeitgeber zu erzielen. Hat der Widerspruch keinen Erfolg, bleibt allerdings nur noch die Kündigungsschutzklage.

    Verfassen eines Widerspruchs

    Anders als bei der Kündigung gibt es bei dem Widerspruch keine gesetzlich vorgeschriebenen formellen und inhaltlichen Anforderungen. Damit der Widerspruch die Chancen auf ein wirksames Vorgehen gegen die Kündigung jedoch erhöht, sollte er schriftlich formuliert werden – damit belegen Gekündigte, dass sie eine außergerichtliche Einigung angestrebt haben.

    Enthalten sein sollte außerdem ein Hinweis darauf, dass die Kündigung fehlerhaft und damit unzulässig ist. Gekündigte Angestellte können darüber hinaus ihre Bereitschaft zu einer außergerichtlichen Klärung signalisieren. Den Erhalt des Widerspruchs sollten Betroffene sich durch ihren Arbeitgeber bestätigen lassen.

    Kündigung widersprechen: Muster verwenden oder Anwalt fragen?

    Um bei ihrem Widerspruch alles richtig zu machen, recherchieren Betroffene oft zunächst online. Sich zu informieren und die eigenen Rechte zu kennen, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Allerdings sind Muster für Widersprüche mit Vorsicht zu genießen. Denn im Einzelfall kann es auf Feinheiten in der Formulierung ankommen, die ein solches Muster nicht abbildet.

    Die beste Möglichkeit, um wirksam einer Kündigung widersprechen zu können, ist die Beratung durch Profis. Expertinnen und Experten im Arbeitsrecht setzen passgenaue Widersprüche auf und übernehmen auch die Kündigungsschutzklage, wenn der Widerspruch erfolglos bleibt.

    Fazit: Unrechtmäßige Kündigung mit Widerspruch abwenden

    Fehler bei der Kündigung passieren Arbeitgebern häufiger als viele Angestellte glauben. Ob beabsichtigt oder nicht: Wer unerwartet eine Kündigung erhält, sollte die eigenen Rechte unbedingt prüfen.

    Mitarbeiter legt Widerspruch gegen die Kündigung bei Chef ein.

    Kündigung widersprechen? Frist auf keinen Fall verstreichen lassen!

    Der Widerspruch bei Kündigung ist ein erster Schritt, die eigenen Rechte durchzusetzen. Allerdings ist der Kampf gegen eine unzulässige Kündigung ein Wettlauf mit der Zeit: Nach Ablauf der Drei-Wochen-Frist besteht keine Möglichkeit mehr für einen Widerspruch oder eine Kündigungsschutzklage – selbst wenn die Kündigung eigentlich unwirksam ist.

    Um keine Zeit zu verlieren, sollten Betroffene von Anfang an auf juristische Unterstützung setzen. Durch den kostenlosen Online-Check von SIEGFRIED können Sie Ihre Kündigung auf Wirkamkeit prüfen und gegebenenfalls gemeinsam mit Arbeitsrechts-Experten die weiteren Schritte für einen Widersupruch einleiten. So haben Sie den Kopf frei, um die Kündigung zu verdauen und erhalten die Chance auf einen positiven Ausgang – sei es mit der Weiterbeschäftigung oder einer Abfindung zur Überbrückung der Zeit nach Ende des Arbeitsvertrags.

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