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Anzeige üble Nachrede

Anzeige wegen übler Nachrede erhalten: So gehen Sie richtig vor

5. Oktober 2022 um 09:03

Falsche Behauptungen, die über eine Person in der Öffentlichkeit verbreitet werden, kratzen an der Ehre und oft auch an der Psyche der Betroffenen. Üble Nachrede ist daher strafbar. Geschädigte können diese anzeigen oder abmahnen. Was Menschen tun können, die eine Anzeige wegen übler Nachrede kassiert haben, zeigt dieser Artikel und fasst alle Fakten rund um die üble Nachrede zusammen.

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Üble Nachrede: 2 Kollegen sprechen über eine Frau am Schreibtisch.
Das Wichtigste in Kürze
  • Üble Nachrede ist eine rufschädigende Straftat, gegen die Betroffene zivil- und strafrechtlich vorgehen können.
  • Bei übler Nachrede werden Tatsachen gegenüber Dritten behauptet, die nicht nachweislich wahr sind.
  • Wer rechtlich gegen üble Nachrede vorgeht, erwirkt damit entweder die Bestrafung der gegnerischen Partei oder eine Unterlassung und gegebenenfalls eine Entschädigung.
  • Wer eine Anzeige wegen übler Nachrede erhält, erfährt mit einem unverbindlichen Online-Check, welche Gegenmaßnahmen möglich sind.

Üble Nachrede: Definition des Straftatbestands

Vielen ist üble Nachrede zwar ein Begriff, doch die wenigsten wissen, welche rechtliche Definition dahintersteckt. Genaue Informationen dazu liefert das Strafgesetzbuch (StGB): Die üble Nachrede ist laut § 186 StGB eine Straftat gegen die Ehre einer anderen Person. Die Straftat wird begangen, indem in der Öffentlichkeit – also gegenüber Dritten – Tatsachen über andere behauptet oder verbreitet werden, die nicht nachweislich wahr sind.

Üble Nachrede einfach erklärt

Da die gesetzliche Definition schwer verständlich ist, soll das folgende Beispiel veranschaulichen, wovon das Strafgesetz spricht: 

  • Die Mitarbeiterin eines Unternehmens unterhält sich in der Mittagspause mit einer Kollegin. Ihr gegenüber behauptet die Mitarbeiterin, ihr Chef habe eine Affäre und betrüge seine Frau. Sie ist überzeugt davon, weil sie von einer anderen Kollegin erfahren hat, dass der Vorgesetzte seine Dienstreisen oft ohne beruflichen Anlass um einen Tag verlängert. 
  • Die Kollegin hat ein gutes Verhältnis zu dem vermeintlich untreuen Chef und erzählt ihm, was über ihn behauptet wurde. Da er keine Affäre hat und das Gerücht seinem Ansehen in der Firma schaden kann, darf er die üble Nachrede anzeigen. Die Mitarbeiterin, die das Gerücht verbreitet hat, muss mit einer Strafe rechnen. 
  • Auch wenn die Mitarbeiterin davon überzeugt ist, die Wahrheit zu sagen, dies aber nicht nachweisen kann, ist von übler Nachrede auszugehen.

Die Mitarbeiterin hat also eine unwahre Tatsache, die sich nicht belegen lässt, gegenüber einer  Kollegin behauptet und damit öffentlich verbreitet. Sie hat so dem Ruf ihres Vorgesetzten in der Firma geschadet. Hätte sie handfeste Beweise für die Affäre, hätte sie die Tatsache ungestraft verbreiten dürfen. 

Das bedeutet allerdings nicht, dass Tatsachen verbreitet werden dürfen, nur weil sie wahr sind. Denn für verletzende oder beleidigende Aussagen sieht § 192 StGB die gleiche Bestrafung vor wie für eine Beleidigung nach § 185 StGB – und diese kann mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Täter ihre Aussage in einem gehässigen oder herabwürdigenden Ton abgeben oder die Aussage zu einem Zeitpunkt machen, der für den Geschädigten kompromittierend ist und so seine Ehre verletzt.

Was bedeutet „nicht erweislich wahr“?

In einem Verfahren, in dem üble Nachrede verhandelt wird, muss das Gericht über die Wahrheit oder Unwahrheit der fraglichen Tatsache entscheiden. Kann kein Beweis dafür erbracht werden, dass die behauptete Tatsache der Wahrheit entspricht, gilt sie als „nicht erweislich wahr“. Der Täter hat sich in diesem Fall übler Nachrede schuldig gemacht.

Abgrenzung zur Verleumdung

Die üble Nachrede wird umgangssprachlich auch als Rufmord oder als Rufschädigung bezeichnet. Allerdings kann hinter dem Begriff auch eine Verleumdung stecken. In beiden Fällen werden Behauptungen geäußert, die unwahr sind. Und in beiden Fällen liegt ein Straftatbestand vor. Allerdings unterscheiden sich die beiden Formen von Rufmord in einem wichtigen Punkt:

  • Liegt eine üble Nachrede vor, ist die behauptete Tatsache laut StGB „nicht nachweislich wahr“. Der Täter mag zwar glauben, dass die Behauptung stimmt. Lässt sich im Rahmen eines Strafverfahrens allerdings nicht feststellen, dass die Tatsache wirklich wahr ist, so handelt es sich um üble Nachrede.
  • Bei der Verleumdung stellt der Täter eine Behauptung auf, obwohl er genau weiß, dass die Tatsache nachweisbar unwahr ist. Die Verleumdung ist also vereinfacht gesagt die bewusste Verbreitung von Lügen über eine andere Person.

Diese Strafen drohen bei übler Nachrede

Üble Nachrede ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die dem Ruf einer Person nachhaltig schaden kann.  Zu welcher Bestrafung eine Anzeige führen kann, ist in §186 StGB festgelegt.

Viele Strafdelikte verjähren, so auch die üble Nachrede. Wann Straftaten genau verjähren, ist in § 78 StGB nachzulesen. Demnach sind Anzeigen wegen Rufschädigung innerhalb von drei Jahren nach der Tat möglich.

Üble Nachrede durch zwei Kolleginnen, die sich offensichtlich im Büro über andere Personen austauschen.

Strafen für üble Nachrede: Das sagt das StGB

Für die bloße Behauptung einer unwahren Tatsache darf ein Gericht eine Geldstrafe verhängen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Wie hoch die Strafe ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. Wurden jedoch Unwahrheiten öffentlich gemacht und sind diese möglicherweise sogar schriftlich nachzulesen, zum Beispiel im Internet, steigt das Strafmaß: Ein Gericht hat in diesem Fall die Möglichkeit, die Freiheitsstrafe auf bis zu zwei Jahre zu erhöhen.

Kann üble Nachrede verjähren?

Viele Strafdelikte verjähren, so auch die üble Nachrede. Wann Straftaten genau verjähren, ist in § 78 StGB nachzulesen. Demnach sind Anzeigen wegen Rufschädigung innerhalb von drei Jahren nach der Tat möglich.

Schritte bei einer Anzeige wegen übler Nachrede

Bevor Betroffene die Strafverfolgung bei übler Nachrede in die Wege leiten und gegen Rufschädigung Anzeige erstatten, müssensie das Gespräch mit der Person suchen, die die Gerüchte in die Welt gesetzt hat, und um Richtigstellung bitten. Bleibt der Versuch erfolglos, ist das letzte Mittel die Anzeige. Üble Nachrede kann bei der Polizei gemeldet und angezeigt werden. Neben der Strafanzeige ist nach § 194 StGB bei übler Nachrede ein Strafantrag erforderlich, der schriftlich zu stellen ist. Er ist die Voraussetzung dafür, dass üble Nachrede strafrechtlich verfolgt werden kann. Betroffene können auch ohne Anzeige gegen üble Nachrede vorgehen, indem sie den zivilrechtlichen Weg wählen.

Jetzt Möglichkeiten prüfen

Strafanzeige: Üble Nachrede bestrafen lassen

Nach dem Strafantrag übernimmt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Sie entscheidet, ob ein Strafverfahren notwendig ist. Kommt es zu einem Verfahren, sind Betroffene nicht als Anklagende, sondern als Zeugen involviert. 

Das Ziel des Verfahrens ist die Bestrafung der Person, die angeblich Behauptungen aufgesellt hat. Behauptenden. Nur in besonders schwerwiegenden Fällen ist es für Betroffene möglich, eine Entschädigung geltend zu machen. Allerdings müssen sie ihre Ansprüche dann in einem zweiten Verfahren vor einem Zivilgericht durchsetzen.

Gut zu wissen:

Ein besonders schwerer Fall von übler Nachrede liegt zum Beispiel vor, wenn die Intimsphäre der betroffenen Person öffentlich verletzt wurde.

Zivilrechtlicher Weg: Üble Nachrede entfernen lassen

Ein zivilrechtlicher Prozess hat das Ziel, die nicht nachweisbaren Tatsachenbehauptungen zu entfernen oder eine weitere Verbreitung zu unterbinden.

Welche Folgen drohen, wenn Betroffene üble Nachrede anzeigen

Während es im Strafprozess in erster Linie darum geht, ein Fehlverhalten zu bestrafen, ergeben sich aus dem Zivilrecht konkrete Ansprüche für Betroffene von übler Nachrede. Welche das sind und mit welchen Mitteln sie sich durchsetzen lassen, zeigt die folgende Übersicht:

Mittel
Anspruch auf

Abmahnung

Anspruch auf

Unterschreiben einer Unterlassungserklärung durch den Täter

Einstweilige Verfügung

Anspruch auf

Unterlassung der Rufschädigung im Eilverfahren

Klage

Anspruch auf

Schadensersatz oder Schmerzensgeld, abhängig von der Schwere und Tragweite der Tat

Gerichtsverfahren nach Anzeige wegen übler Nachrede

Betroffene können Klage gegen üble Nachrede einreichen, wenn zum Beispiel die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt hat.

Wie wird üble Nachrede vor Gericht geprüft?

Während einer zivilrechtlichen Verhandlung muss das Gericht genau prüfen, ob wirklich eine üble Nachrede vorliegt oder nicht. Dazu wenden die Beamten ein  Schema an, das die folgenden fünf Punkte umfasst:

  1. Objektiver Tatbestand: Wurde gegenüber Dritten eine Tatsache behauptet oder verbreitet, die eine Person herabwürdigt?
  2. Subjektiver Tatbestand: Hat der Täter vorsätzlich gehandelt?
  3. Objektive Bedingungen der Strafbarkeit: Ist die behauptete oder verbreitete Tatsache nicht erweislich wahr? 
  4. Rechtswidrigkeit: Steht die Tat im Widerspruch zum Gesetz und liegen keine Rechtfertigungsgründe vor?
  5. Schuld: Nur wenn alles dafür spricht, dass üble Nachrede stattgefunden hat, liegt eine Schuld beim Täter vor.

Beweise für üble Nachrede sichern

Anders als in einem strafrechtlichen Verfahren treten Betroffene bei der Privatklage als Anklagende auf und müssen eigene Beweise anführen. In der Regel hat eine Anzeige wegen übler Nachrede Erfolgsaussicht, wenn Ausreichende Beweise vorliegen und das ist für Betroffene oft nur schwer zu bewerkstelligen.

Betroffene müssen deshalb dementsprechend so früh wie möglich damit beginnen, die Tat zu dokumentieren und zum Beispiel Screenshots falscher Behauptungen oder Zeugenaussagen zu sammeln.

Gegen eine Anzeige vorgehen

Wer beschuldigt wird, üble Nachrede begangen zu haben, sollte sich anwaltliche Unterstützung suchen. Zwar ist eine Vertretung durch Rechtsprofis nicht immer notwendig, allerdings erhöhen Angezeigte damit ihre Chancen auf Milderung der Strafe und riskieren keine unvorteilhaften Aussagen. Bei ungerechtfertigten Anzeigen hilft der Anwalt oder die Anwältin, die Unschuld ihrer Mandantschaft darzulegen.

Fazit zur Anzeige gegen üble Nachrede und Rufschädigung

Egal, ob sie böswillig oder versehentlich in die Welt getragen werden: Gerüchte über eine Person können dessen Ehre verletzen und im beruflichen und privaten Umfeld schwerwiegende Konsequenzen haben. Gegen die Behauptung und Verbreitung unwahrer Tatsachen können Betroffene vorgehen und üble Nachrede anzeigen, vor Gericht ziehen und sogar Entschädigung verlangen.

Betroffene sich Hilfe von einem Anwalt  holen. Über juristische Feinheiten und nervigen Schriftverkehr müssen sie sich dann keine Gedanken machen und erhalten die Entschädigung, die ihnen zusteht.

rechte-üble-nachredeSymbolische Darstellung von übler Nachrede durch drei Personen, die stille Post spielen.

Wer eine Anzeige wegen übler Nachrede erhält, sollte sich Hilfe von einem Anwalt holen. Über juristische Freiheiten und zeitintensiven Schriftverkehr müssen sie sich dann keine Gedanken machen. Zudem haben sie so die Chance, die Anzeige abzuwehren oder die Strafe zu mindern. Über den Online-Check von SIEGFRIED können Geschädigte schnell und einfach ihre Möglichkeiten prüfen.

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