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Sorgerecht beantragen: Kosten, mit denen Sie rechnen sollten

2. Juni 2022 um 12:19

Die Höhe der Kosten des Sorgerechtsstreits hängt insbesondere von der Dauer des Sorgerechtsstreits ab. Wenn sich die Eltern einig sind, verringern sich die Gerichtskosten - vor allem, wenn Sie das alleinige Sorgerecht beantragen. Welche Kosten definitiv anfallen, welche Kosten im Sorgerechtsstreit dazu kommen können und wer sie zu tragen hat, haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengefasst.

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Über Sorgerecht streitende Eltern. Im Vordergrund sitzt der traurige Sohn.
Das Wichtigste in Kürze
  • Gerichtskosten, Anwaltskosten und optionale Kosten beeinflussen die Höhe Ihrer Kosten im Sorgerechtsstreit.
  • Die Kosten fürs Sorgerechtsverfahren werden meistens gleichmäßig aufgeteilt.
  • Wenn Sie die anfallenden Kosten nicht alleine stemmen können, haben Sie Anspruch auf Prozesskostenhilfe im Sorgerecht.
  • Beim geteilten Sorgerecht müssen beide Elternteile für anfallende Kosten aufkommen.
  • Hat ein Elternteil das alleinige Sorgerecht, so muss er für anfallende Kosten aufkommen und hat Anspruch auf Unterhaltszahlungen.
  • Welche Möglichkeiten Sie bei der Beantragung des Sorgerechts haben, können Sie über einen kostenlosen Online-Check prüfen.

Kosten Sorgerechtsstreit: Welche Kosten entstehen Ihnen während des Sorgerechtsstreits?

Während eines Sorgerechtsstreits können verschiedene Kosten anfallen. Zu den Gerichtskosten fürs Sorgerecht können auch die Kosten für eine anwaltliche Beratung und Vertretung kommen. Im Detail können für Sie mit folgenden Sorgerechtsstreit-Kosten rechnen:

Gerichtskosten Sorgerecht: Streitwert im Sorgerechtsverfahren

Ein Faktor, der die Kosten im Sorgerechtsstreit beeinflusst, ist der Streitwert. Wenn Sie sich zuvor vom anderen Elternteil geschieden haben, können Sie mit einem Streitwert in Höhe von ca. 20 % des Streitwerts aus Ihrem Scheidungsverfahren rechnen. Laut § 45 des Gesetzes über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG) für Sorgerechtsverfahren beträgt dieser Streitwert maximal 3.000 €.

Anwaltskosten Sorgerecht: Anwaltliche Beratung und Vertretung während des Sorgerechtsstreits

Die Anwaltskosten während des Prozesses werden nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) berechnet. Für eine Erstberatung werden in der Regel ca. 250 € fällig. Die Gerichtskosten werden mit dem § 34 des Gerichtskostengesetzes (GKG) ermittelt. Für die anwaltliche Vertretung können ca. 600 – 800 € fällig werden. 

Üblich ist die Vergütung des Anwalts pro Stunde. Die Höhe der tatsächlichen Anwaltskosten hängt also davon ab, wie schnell das Verfahren abgeschlossen ist.

Optionale Kosten im Sorgerechtsstreit: Verfahrensbeistand für das Kind bestellen

Sie dürfen einen Verfahrensbeistand für Ihr Kind bestellen. Dieser hat die Aufgabe, die Interessen des Kindes zu vertreten. Die Vergütung wird durch § 158 des FamFG geregelt. Absatz 7 unterscheidet bei der Höhe der Vergütung zwischen „berufsmäßigen“ und „nicht berufsmäßigen“ Verfahrensbeiständen. 

Für berufsmäßige Verfahrensbeistände können Sie mit einer einmaligen Pauschale von 350 € bis 550 € rechnen. Beim nicht berufsmäßigen Verfahrensbeistand werden die Kosten vermutlich niedriger ausfallen, Grundlage dafür ist § 168 Absatz 1 des FamFG. Sie möchten alleiniges Sorgerecht beantragen? Ermitteln Sie Ihre Erfolgsaussichten mit dem kostenlosen Online-Check.

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Prozesskostenhilfe Sorgerecht: Haben Sie Anspruch auf finanzielle Unterstützung, wenn Sie sich Anwalts- und Gerichtskosten nicht leisten können?

Normalerweise werden Familienrechtsstreitigkeiten nicht von der Rechtsschutzversicherung gedeckt. Manchmal übernimmt die Rechtsschutzversicherung allerdings zumindest das erste Beratungsgespräch. Sollte Beschriebenes auch auf Sie zutreffen, können Sie von staatlichen Hilfen Gebrauch machen. Dazu zählen z. B. die Beratungshilfe und die Prozesskostenhilfe.

Um finanzielle Unterstützung zur Begleichung der Kosten des Sorgerechtsstreits zu erhalten, müssen Sie einen Antrag schriftlich einreichen oder bei der Geschäftsstelle bzw. beim Gerichtstermin stellen. Sie müssen belegen, dass Sie die Gerichts- und Anwaltskosten nicht aufbringen können. Reichen Sie dafür einen Nachweis über Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse und einen Klageentwurf bzw. eine ausführliche Klagebegründung ein. Ihre Begründung muss überzeugen, sonst wird Ihr Antrag auf Prozesskostenhilfe abgelehnt.

Sorgerecht beantragen: Kosten, die Ihnen mit der Beantragung des alleinigen Sorgerechts entstehen

Wenn Sie alleiniges Sorgerecht für Ihr Kind beantragen möchten, können Sie dies beim Familiengericht tun. Zuständig ist das Gericht im Wohnort des Kindes. Im besten Fall sind Sie sich mit dem anderen Elternteil einig. Sie können nämlich einen formlosen Antrag einreichen, wenn beide Elternteile mit dem alleinigen Sorgerecht einverstanden sind. Dafür genügt die schriftliche Zustimmung. Viele Gerichte ermöglichen die Antragseinreichung auch online.

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Schritt 1: Alleiniges Sorgerecht beantragen – Kosten für Anwalt einkalkulieren

Wenn Sie das alleinige Sorgerecht beantragen möchten, um das Wohl Ihres Kindes zu schützen, müssen Sie dies ausführlich begründen. Auch Beweise und Belege für Ihre Angaben sind detailliert abzugeben. Hier ist die Unterstützung durch einen Anwalt ratsam.

Kosten für die Beantragung des Sorgerechts fallen nur an, wenn Sie zur Beratung oder Vertretung einen Anwalt hinzuziehen. Gerade wenn Uneinigkeit über das Sorgerecht besteht, lohnt es sich jedoch diese Kosten entsprechend einzukalkulieren und sich professionelle juristische Unterstützung zu holen. Wenn der andere Elternteil Ihrem Antrag aufs alleinige Sorgerecht nicht zustimmt, dann kommt der Fall vor Gericht, wodurch Gerichtskosten entstehen. Wie hoch Ihre Kosten im Sorgerechtsstreit ausfallen, hängt also von der Zustimmung des zweiten Elternteils ab und ob Sie sich von einem Anwalt beraten bzw. vertreten lassen.

Schritt 2: Alleiniges Sorgerecht beantragen – Kosten für die Prüfung Ihres Antrags

Das zuständige Familiengericht wird Ihren Antrag genaustens prüfen. Es muss feststellen, ob das Kindeswohl tatsächlich in Gefahr ist. Geprüft werden u. a. die Wohnsituation, die finanzielle Situation und das persönliche Umfeld des Kindes. Die Kosten im Sorgerechtsstreit für diesen Schritt hängen davon ab, wie lange sich der Prozess zieht und welche Vergütung mit dem Anwalt für die anwaltliche Vertretung vereinbart wurde.

Schritt 3: Alleiniges Sorgerecht beantragen – Kosten bei der Entscheidung des Familiengerichts

Wie lange es dauert, bis sich das Gericht für oder gegen den Antrag entscheidet, kann ganz unterschiedlich ausfallen. Je nachdem, wie viele Gerichtstermine nötig sind, kann der Prozess ein paar Wochen oder sogar einige Monate dauern. Für diese Entscheidung beurteilt das Gericht nach diesen Kriterien:

  • Kontinuität: Ist eine stabile Erziehung sichergestellt?
  • Förderung: Bei welchem Elternteil hat das Kind die besten Entwicklungschancen?
  • Soziale Bindungen: Sind soziale Bindungen zu Familienmitgliedern, Verwandten und Freunden sichergestellt?
  • Ggf. Wunsch des Kindes: Was möchte das Kind?

Mit dem Urteil des Familiengerichts tritt dann der Wechsel des Sorgerechts in Kraft.

Expertentipp

Mit einem Anwalt können Sie beim Beantragen des alleinigen Sorgerechts sicherstellen, dass alle Beweise für das Fehlverhalten des anderen Sorgeberechtigten lückenlos dokumentiert sind und alle außergerichtlichen Lösungsversuche fehlschlugen. Das kann Ihre Chancen erhöhen, bei einer Klage das alleinige Sorgerecht zu erhalten.

Gemeinsames Sorgerecht beantragen: Kosten, die Ihnen mit dem gemeinsamen Sorgerecht entstehen

Beim geteilten Sorgerecht teilen sich beide Elternteile die rechtliche Verantwortung für ihr Kind. Sie sind also beide gleichermaßen für die Personen- und Vermögenssorge zuständig und müssen beide für die anfallenden Kosten aufkommen.

Teddybär neben Büchern, Waage und  Richterhammer auf Richtertisch.

Sorgerechtserklärung Notar: Kosten, die beim Notar für die öffentliche Beurkundung anfallen

Unverheiratete Eltern können mit der Sorgerechtserklärung bzw. Sorgeerklärung schriftlich vereinbaren, dass beide Elternteile das Sorgerecht tragen. Diese Erklärung kann beim Notar oder beim Jugendamt abgegeben werden. Sie muss allerdings öffentlich beurkundet sein (§1626d Abs. 1 BGB). 

Beim Jugendamt ist die öffentliche Beurkundung in der Regel kostenfrei. Beim Notar sieht das anders aus: Grundlage für die Berechnung der Notarkosten ist das Gerichts- und Notarkostengesetz. Die Kosten für eine Beurkundung liegen bei ca. 80 Euro.

Sorgerecht beantragen: Kosten, die Ihnen beim alleinigen Sorgerecht entstehen

Wenn Sie das alleinige Sorgerecht erhalten, müssen Sie zunächst für alle Sorgerecht-Kosten aufkommen, die Ihr Kind betreffen. Aber Ihnen stehen Unterhaltszahlungen vom anderen Elternteil zu. Welcher Betrag für den Unterhalt fällig wird, hängt von dessen Bruttoeinkommen ab.

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Sorgerecht abgeben: Kosten, die Ihnen bei der Abgabe des Sorgerechts entstehen

Erfolgt mit der Trennung auch ein örtlicher Umzug, entscheidet sich oft ein Elternteil das Sorgerecht abzugeben – denn dem Ex-Partner wird damit vieles erleichtert. Der Elternteil, der das alleinige Sorgerecht übernimmt, muss in diesem Fall vor Gericht einen Antrag auf Übernahme des alleinigen Sorgerechts stellen. Dann muss der andere Elternteil nur noch zustimmen. Die Anwalts- und Gerichtskosten bestimmen die Kosten des Sorgerechtsstreits und hängen ebenfalls von der Dauer des Prozesses ab. Ist das alleinige Sorgerecht reine Formsache, so können Sie mit Gerichtskosten von ca. 50 Euro rechnen. Einvernehmliche Sorgerechtsverfahren sind daher immer besser für die Nerven und den Geldbeutel.

Achtung

Mit der Abgabe des Sorgerechts geht nicht automatisch die Unterhaltszahlungspflicht verloren. Die Unterhaltspflicht entsteht nämlich nicht durch das Sorgerecht, sondern durch die Mutter- und Vaterschaft.

Sorgerecht abgeben: Kosten, die durch das Umgangsrecht weiterhin anfallen

Wenn Sie das Sorgerecht abgeben, entfallen nicht automatisch alle Kosten, die Ihr Kind betreffen. Durch das Umgangsrecht behalten Sie das Recht darauf, regelmäßigen Kontakt mit Ihrem Kind zu pflegen. Es bezieht sich im Vergleich zum Sorgerecht also nicht auf die unmittelbare Pflege und Versorgung, sondern auf den Umgang mit Ihrem Kind. Meistens zahlt der Elternteil die Kosten des Umgangs, der kein Sorgerecht hat. Mit dem Umgangsrecht können für Sie folgende Kosten anfallen:

  • Fahrtkosten: Kind abholen und bringen
  • Gemeinsame Ausflüge und Freizeitaktivitäten
  • Verpflegung und Unterkunft bei gemeinsamen Aktivitäten

Aufenthaltsbestimmungsrecht beantragen: Kosten, die durch das Aufenthaltsbestimmungsrecht entstehen

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht berechtigt Sorgeberechtigte den kurz- und langfristigen Aufenthalt des Kindes, wie den Wohnort und Urlaube, zu bestimmen.

Die Kosten bei der Beantragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts bemessen sich am Streitwert. Für die Beantragung gibt es keine Anwaltspflicht – auch hier empfiehlt es sich aber gerade bei Uneinigkeit rechtliche Unterstützung hinzuziehen Die Kosten richten sich nach der Dauer des Verfahrens, üblich sind Kosten zum beantragen des Aufenthaltsbestimmungsrechts von ca. 900 €. Es können außerdem weitere Kosten durch richterliche Gutachten hinzukommen.

Sorgerechtsverfügung: Notar-Kosten fürs Aufbewahren des Elterntestaments

Mit einer Sorgerechtsverfügung können die den Vormund für ihr Kind bestimmen - für den Fall der Fälle, dass beide Elternteile gleichzeitig bzw. Zeitnah versterben. Sie können das Elterntestament selbst schreiben, wodurch keine Kosten anfallen. Im Todesfall muss das Familiengericht jedoch auf die Sorgerechtsverfügung zugreifen können. Sicherer ist es daher, wenn es bei einem Notar oder Nachlassgericht aufbewahrt wird. Dafür können Sie mit ca. 150 € Notarkosten zur Sorgerechtsverfügung rechnen. Dazu können weitere Gebühren kommen, falls Sie sich für die Ausformulierung professionelle Hilfe holen.

Sorgerecht beantragen: Vater-Kosten – Worauf müssen Sie sich als Vater einstellen?

Die Chancen für Väter, nach einer Trennung ans gemeinsame Sorgerecht zu kommen, war lange Zeit ziemlich aussichtslos. Ohne das Einverständnis der Mutter war das gemeinsame Sorgerecht einfach nicht möglich, doch die Chancen haben sich mittlerweile etwas verbessert: Wenn die außergerichtlichen Bemühungen scheitern, können Sie als Vater einen Antrag beim Familiengericht stellen.

Wenn Sie den Antrag auf das gemeinsame Sorgerecht stellen, müssen Sie zunächst die Gerichtskosten selbst zahlen nehmen. In der Regel kommt es später zur gleichmäßigen Kostenaufteilung und jeder bezahlt seine eigene Rechnung. Wenn Sie den Prozess aber verlieren, könnte es sein, dass Sie für die gesamten Verfahrenskosten aufkommen müssen.

Symbolische Darstellung der Kosten eines Sorgerechtsstreits durch Richterhammer auf Geld.

Fazit: Gerichtskosten fürs Sorgerecht sind variabel und größtenteils von Ihnen steuerbar

Die Kosten eines Sorgerechtsstreits können stark variieren. Umso schneller das Sorgerechtsverfahren abgeschlossen wird, desto günstiger wird es für beide Seiten. Komplett kostenlos geht es zwar nicht, aber das Miteinander zwischen Ihnen und dem anderen Elternteil entscheidet über die Dauer des Prozesses und damit über den größten Kostenfaktor. An einigen Stellen können Sie außerdem selbst entscheiden, ob Sie einen Anwalt einschalten möchten oder nicht. In jedem Fall sollten zunächst außergerichtliche Lösungen in Betracht gezogen werden, um Nerven und den Geldbeutel zu schonen. 

Über den kostenlosen Online-Check von SIEGFRIED können Sie Ihre Möglichkeiten für eine Beantragung des Sorgerechts kostenlos und unverbindlich prüfen.

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